Rezension
Bodies Of Water
A Certain Feeling
Highlights: Gold, Tan, Peach, And Grey // Water Here // If I Were A Bell
Genre: Gospel // Psychedelic // Folk // Tropicalia // Indie
Sounds Like: Salt & Samovar // The Arcade Fire // Midlake // The Mamas and the Papas // ABBA // Ennio Morricone
VÖ: 01.08.2008
Ein Ehepaar, das christlich geprägte Songs schreibt und sich dabei munter bei diversen Musikstilen bedient – genau, das hatten wir doch erst letzte Woche bei The Welcome Wagon, und doch ist hier einiges anders, denn bei Bodies Of Water geht es noch um einiges verrückter zur Sache. Die Band entstand ursprünglich aus einem Homerecording-Projekt von David und Meredith Metcalf aus Los Angeles, doch bei Live-Auftritten finden sich inzwischen bis zu acht Personen auf der Bühne ein. David, aus dessen Feder die Songs der Bodies Of Water stammen, hat eine klassische Musikausbildung genossen, scheint sich aber auch sonst ausgezeichnet in der Musikwelt auszukennen. Mit ihrem Debüt „Ears Will Pop & Eyes Will Blink“ – dieser verrückten Mischung aus The Mamas and the Papas und Arcade Fire - zeigten sie bereits, wie weit sie zu gehen bereit sind. Durch euphorische Chorgesänge bis hin zur Ekstase und an musikalischen Ideen überbordende Songs zeichnete sich das Werk aus, wirkte aber doch etwas roh und unausgereift.
„A Certain Feeling“ kommt insgesamt düsterer daher, ist aber ähnlich abwechslungsreich wie der Vorgänger. „Gold, Tan, Peach and Grey“ beginnt recht verhalten, um einen dann mit seinem wahnsinnigen Chorgesang zu überrumpeln, zu dem sich Hammond-Orgel und beeindruckende Bläser gesellen. Nach diesem Prinzip funktionieren die meisten Songs: eine kleine Introduktion, auf die dann der große Ausbruch folgt. „Under The Pines“ baut sich mit psychedelisch-verschrobenen Harmonien bedrohlich auf, steigert sich mit einem scharfen Gitarrenriff und energetischen Drums und dreht schließlich völlig am Rad. Mit „Only You“ gönnt die Band dem Hörer eine kleine Verschnaufpause, um ihn dann mit „Water Here“ zu überrollen: Aus einem an Ennio Morricone erinnernden Intro entwickelt sich ein verquerer Song mit Tropicalia-Einflüssen, der die beeindruckende 180-Grad-Wendung zu einer beschwingten Funk-Nummer schafft, und das alles geschieht innerhalb von einem Song! Auf diesem Album gibt es viel zu entdecken, denn nahezu jeder Song ändert komplett die Richtung, überrascht durch neue Melodiefragmente oder unvermittelte Taktwechsel. Der 7-Minuten-Brocken „If I Were A Bell“ nimmt zuweilen gar apokalyptische Züge an, gefolgt vom Schlusstrack „The Mud Gapes Open“, der zum Ausklang ein wenig Hoffnung schöpfen lässt: „The mud gapes open / We're not that worried“ – mehr hat die Band nicht mehr zu sagen. Gerade einmal neun Songs hat dieses Album zu bieten, welche jedoch genug Material für eine weit größere Anzahl beinhalten.
„A Certain Feeling“ lässt einen mit einem zwiegespaltenen Gefühl zurück: Einerseits ist man beeindruckt von der Fülle an Ideen, der Energie und Spielfreude, die auch ihr Zweitwerk auszeichnet, andererseits wird man das Gefühl nicht los, dass das noch besser geht. Zwar hinterlässt es einen homogeneren Eindruck als das Debüt, wirkt aber dennoch etwas unstrukturiert. Man darf also gespannt sein, in welche Richtung Bodies Of Water mit ihrem dritten Album, an dem bereits geschrieben wird, gehen werden. Nahezu alles scheint hier möglich zu sein, und mit Überraschungen ist bei dieser Band stets zu rechnen.
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