Rezension

Blanck Mass

Animated Violence Mind


Highlights: Death Drop // Wings Of Hate
Genre: Elektro // Noise
Sounds Like: Fuck Buttons // Health // Prurient

VÖ: 16.08.2019

Auch sechs Jahre nach „Slow Focus“ geht das Warten auf ein neues Album der Fuck Buttons weiter. Ein Ende ist nicht in Sicht. Stattdessen widmen sich Andrew Hung und Benjamin Power weiter fleißig ihren Solo-Projekten. Während sich ersterer an relativ zugänglichem Elektro-Pop versucht, lässt Benjamin Power auch auf seinem mittlerweile vierten Album als Blanck Mass in erster Linie seinen Nachnamen sprechen. Die Regler auf Anschlag und volle Kraft voraus, lautet die Devise. Das hat bisher gut geklappt, funktioniert auf „Animated Violence Mind“ allerdings nur noch mit viel gutem Willen.

Wer Anfang der 90er aufmerksam Musik gehört hat, wird sich noch erinnern. Damals war billig produziertes und vor allen Dingen billig klingendes Elektrogeballer der heiße Scheiß. Irgendwann hat man das absurderweise dann Eurodance getauft. „Animated Violence Mind“ ist von diesem Sound tatsächlich nicht so unglaublich weit entfernt. „House vs. House“ oder „Hush Money“ könnten direkt aus dieser zurecht vergessenen Ära stammen. Mit dem Unterschied, dass sie nicht nach dreieinhalb Minuten wieder vorbei sind, sondern sich quälend lang dahinziehen, ohne dass irgendetwas Spannendes passiert.

Und das ist eigentlich verdammt überraschend, dass Benjamin Power auf seiner neuen Platte nicht viel mehr einfällt als dieser lauwarme Aufguss, den wirklich niemand mehr braucht. Denn gerade die beiden Vorgänger-Alben „Dumb Flesh“ und „World Eater“ haben doch gezeigt, dass auch in den 2010er-Jahren kreative und facettenreiche elektronische Musik noch möglich ist. Da wurde munter drauf los experimentiert und kein starres Gesamtkonzept ausgegeben.

So kommt es dann, dass „Animated Violence Mind“ immer dann noch mal einen Schlenker in den positiven Bereich macht, wenn Blanck Mass sich klanglich gefährlich den Fuck Buttons nähert. „Death Drop“ ist so ein Beispiel und hier spricht der Titel auch schon für sich. Die Synthies werden an die äußerste Schmerzgrenze getrieben und irgendwann ertönt verzerrtes Geschrei. Eine Grenzerfahrung für die Ohren. Genau so muss das sein. Die Lauscher haben in der Mottenkiste nichts verloren. Diese Momente kommen aber schlussendlich viel zu selten und so geht das leidige Warten in eine neue Runde.

Benjamin Köhler

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