Rezension

Björk

Vulnicura


Highlights: Atom Dance // Stonemilker // Black Lake
Genre: Avantgarde-Pop
Sounds Like: Antony & The Johnsons // Goldfrapp // Massive Attack // Thom Yorke

VÖ: 06.03.2015

Björk und vor allem ihr Werk zu fassen, scheint manchmal unmöglich, so sehr von der Realität entfernt wirkt sie. Dass aber auch Björk ganz normale Probleme haben kann, insbesondere im gemeinsamen Zusammenleben, davon kündet ihr neuestes Album, „Vulnicura“, das ein bitterböser Abgesang auf ihren Partner Matthew Barney ist. In den neun Songs verarbeitet sie Trennung und Schmerz, Trauer und Wut. Dass ihr so nebenbei eines ihrer besten Alben gelungen ist, bestärkt einmal mehr die Aussage, dass die beste Musik dann geschaffen wird, wenn die Grundstimmung alles andere als positiv ist.

Als Verstärkung holt sie sich die Produzenten The Haxan Cloak und Arca ins Boot. Gerade letzterer zeigt, wir sehr sein Stil dazu geeignet ist, mit einer Person wie Björk zu kooperieren. War sein Soloalbum noch eine Ansammlung kurzer, loser Soundskizzen, setzen sie auf „Vulnicura“ bisweilen zehnminütige Epen zusammen. Über allem jedoch schwebt die Stimme von Björk Guðmundsdóttir, die sich auf ihre ersten Alben beruft und so zu der Stärke von „Post“ oder „Homogenic“ zurück findet. Konkret bedeutet dies zum Beispiel im Opener „Stonemilker“ bedeutungsschwer aufgeladene Streicher, dazu ein pulsierender Beat und Björk, die erst sanft, später aufbegehrend singt.

Nur einmal, in „Atom Dance“, ist nicht allein Björk der zentrale Dreh- und Angelpunkt eines Stückes. Als Gast wirkt hier Antony Hegarty mit, ein Duett, das es schon einmal gab und auch das Potential hat, ganze Alben zu füllen. Schien in „Stonemilker“ und dem verzweifelten „Lionsong“ die Welt noch rettungslos verloren, zeigen die sanft gezupften Streicher hier, dass in jedem Abschied auch ein Aufbruch steckt.

Ganz der wörtlichen Bedeutung folgend ist „Vulnicura“ die Wundpflege einer außergewöhnlichen Sängerin, die mit diesem Album eine ganze Welt an ihrem erlebten Leid teilhaben lässt – ohne Versöhnung zwar, dafür aber mit neuen Wegen. Nachdem „Biophilia“ als multimediales Gesamtkonzept mit Apps etc. viele Kunstformen verbinden wollte, steht bei „Vulnicura“ wieder die Musik im Mittelpunkt und diese präsentiert Björk wie zu ihren besten Zeiten.

Klaus Porst

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