Rezension

Bersarin Quartett

Bersarin Quartett


Highlights: Mehr als alles andere // Oktober // Nachtblind
Genre: Ambient
Sounds Like: Sigur Rós // Amiina

VÖ: 15.02.2008

Arbeit, Arbeit, Arbeit. Selbst wenn der Tag 36 Stunden hätte, würde man als Mensch der Neuzeit noch nicht ausreichend Momente der Ruhe haben und wenn sie einmal kurz da sind, sind sie zu kurz zum ausspannen. Es gibt (vornehmlich) Frauen, die sich dann auf Yoga, Ayurveda und diesen ganzen Esoterikkram einlassen, oder Extremsporte für das andere Geschlecht. Aber bevor diese Rezension sich weiter mit Klischees aufhält, eine Überleitung zu dem eigentlichen Thema: Bersarin Quartett. Jenes Quartett, das eigentlich nur aus einer einzelnen Person, Thomas Brücker besteht, liefert den Soundtrack zum optimalen Ausspannen. Weniger für die Kiffer unter uns, oder Postrockfanatiker, mehr für Menschen, die in jedem Ton Schönheit suchen und entdecken können.

Vielflächige Keyboardarrangements, verhaltene Percussionklänge und als Wiedererkennungsmerkmal sanfte Streicher. Diese sind nicht Kitschig überladen, nicht nur unterstreichendes (5 Euro für die Wortspielkasse) Beiwerk, sondern oftmals zentraler roter Faden durch die Stücke. "Mehr als alles andere", der wohl beste Song des Albums lebt von eben jener Violinenlinie, unterstützt von einem klavierähnlichen Sound. Der Rest - es mag banal und einfach klingen, aber das ist es nicht - wird von warmen, sanften elektronischen Tönen umspielt, mal mit Klavier ("Nachtblind") mal andersartig begleitet. Bersarin Quartett kann man zum lernen hören, zum guten Essen, Lesen und dergleichen, es passt einfach immer.

Angst und Schrecken verbreitet das Bersarin Quartett im übrigen auch, wenngleich nicht musikalisch, sondern bildlich. Der Anblick eines gezeichneten Mädchens mit einer roten Schleife, im Scheinwerferkegel die Hand schützend vor das Gesicht haltend wirkt schon etwas schauderhaft. Eine ungefähre Ahnung des dazu Kommenden bieten ein Stück auf dem Album, welches mit einem lauten bremsenartigen Ton endet. Trotz dieses einen lauten Zwischengeräusches hält sich diese Platte dezent im Hintergrund, ist da, unscheinbar, aber keine Nebenbei-laufenlassen-und-vergessen Musik, wie es in schlechten Tagen Sigur Rós schonmal sein können.

Klaus Porst

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