Rezension

Bela B.

Bye


Highlights: Abserviert // Streichholzmann // Peng!
Genre: Americana // Country // Roots Musik
Sounds Like: Die Ärzte // Lee Hazlewood

VÖ: 04.04.2014

Für Bela:
Ach Bela. Da bringst du dein drittes Soloalbum raus und meine Gefühle könnten gemischter nicht sein. Mit dir und deinen Kumpels Farin und Rod bin ich aufgewachsen. Ihr habt mich maßgeblich musikalisch sozialisiert als ich ein kleiner Stöpsel war. Doch wenn man ehrlich ist, haben die Ärzte mit steigendem Alter (meinem, nicht eurem!) an musikalischer Relevanz verloren. Abgesehen von unregelmäßigen, Nostalgie getriebenen Konzertbesuchen mit alten Freunden seid ihr fast egal geworden, habt euren Zenit vielleicht sogar überschritten – auch wenn euer anhaltender Erfolg dieser persönlichen Einschätzung widerspricht. Warum also nun noch eine Soloplatte, lieber Bela?
Andererseits deutet der Titel deiner dritten Soloplatte daraufhin, dass du die Drumsticks und deine Gitarre bald an den Nagel hängst. Und ja, ich gestehe, der vermeintliche Hinweis auf das Karriereende eines der Idole meiner Jugend hat mich dann doch beschäftigt und leicht traurig gestimmt. Schnell gab es jedoch Entwarnung: der Titel deute nicht auf einen Abschied hin, versprachst du uns. Was aber machen wir nun mit dieser, deiner dritten Soloplatte?

Über „Bye“:
Es wird schnell klar, dass „Bye“ alles ist, aber garantiert nicht musikalisch irrelevant. Es ist weniger albern, subtil ironisch und vor allem ist es ein legitimer Country/Americana-Entwurf von jemandem, dem man die Liebe zu dieser Musik wirklich abkauft. Während man sich bei den Ärzten fragen muss, ob das noch wirklich authentisch ist, ob man nach all den Jahren noch wirklich Bock darauf haben kann, mit pubertären Albernheiten und unzähligen Klassikern durch die Republik zu reisen (entschuldigt, Freunde), ist „Bye“ ein Bollwerk an Authentizität. Bela liebte immer schon das Obskure, verehrt Elvis Presley und Lee Hazlewood, steht auf absurde Stories, Comics und Horror.
Dirk Felsenheimer, so sein bürgerlicher Name, war schon immer ein einziger Anachronismus. Auch davon legt „Bye“ Zeugnis ab. Mit Banjos, Kontrabässen und mit Unterstützung der befreundeten Band Smokestack Lightnin’ geht Bela auf einen Roadtrip durch die diversen Facetten einer Liebesgeschichte, während die Sonne sich langsam am Horizont senkt. Was wir hier zu hören bekommen, ist eine herrliche Adaption der amerikanischen Rootsmusik der 50er und 60er Jahre. „Bye“ treibt im Referenzpool aus Lee Hazlewood, Johnny Cash und Tom Waits und ergänzt die Kunstfigur Bela B. um eine neue, authentische Facette. Klar ist, dass „Bye“ eine Relevanz hat, die weit über das obligatorische „Album zwischen zwei Ärzte-Alben“ hinaus geht und vielleicht das erste wirklich eigenständige, in sich geschlossene Werk eines Ärzte-Mitglieds ist.

Andreas Peters

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Video zur Single "Abserviert"

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