Rezension

Banks

The Altar


Highlights: Fuck With Myself // Gemini Feed // Judas // 27 Hours (nur digital)
Genre: Pop // R'n'B
Sounds Like: FKA Twigs // Rihanna // SOHN // The Weeknd // Lady Gaga // Lana Del Rey

VÖ: 30.09.2016

Es mag wie ein Luxusproblem klingen, dennoch ist es sicher eine schwierige Entscheidung: Wie macht man weiter, wenn bereits das Debütalbum Erfolg erzielen konnte? Genauso weiter machen und stillstehen, dafür aber die gleiche Kuh nochmal melken? Oder den neuen Ruhm für die Freiheit nutzen, etwas auszuprobieren? Ob und welche dieser Gedanken sich Jillian Banks gemacht hat, wissen wir nicht, was aber bekannt ist, ist das Resultat. „The Altar“ heißt es und ist das Zweitwerk der bildhübschen Sängerin. Mitproduziert wurde „The Altar“ zu großen Teilen von Sohn, was sich bereits in den ersten elektronischen Takten bemerkbar macht. „Gemini Feed“ ist durchsetzt von den typischen Plucker-Synthies, die auch Sohns Debüt zu einem markanten Album machten und nun eine gute Handvoll der neuen Banks-Stücke durchziehen.

Darüber schwebt Banks‘ Stimme, die eine weiche, trotzdem dunkle Färbung mit sich bringt – ideal, um den Lyrics die passgenaue Intonierung mitzugeben. „The Altar“ ist Popmusik und welch andere Grundthematik hat Popmusik sonst noch zu bieten als Liebe? Eben, Liebe geht immer und mal schmachtende, mal (ver)zweifelnde oder nachtrauernde Geschichten rund um dieses Universalthema sind der Inhalt des Albums. Dabei kann Banks durchaus fies sein, wie im zweiten Song „Fuck With Myself“ zu hören, welches dank herausragenden Beats eines der Highlights ist. Eine weitere Großtat ist „27 Hours“, das mit woodkidartigen Fanfaren aufbieten kann und gleichzeitig Negativpunkt ist: Denn der Song befindet sich nicht auf der Standardversion von „The Altar“, sondern ist lediglich digital erhältlich.

„The Altar“ schwankt stilistisch zwischen Pop und R’n’B und bleibt damit dem Tenor des Debüts treu. Überhaupt ist die Platte eine gute Fortsetzung dessen, was Banks 2014 erstmals präsentierte, sogar noch einen Tick gereifter und perfekter auf eingängige Ohrwürmer produziert. Zum Glück widersteht sie dabei der Versuchung, gemäß dem aktuellen Zeitgeist ihr Album mit EDM-Einflüssen aufzumöbeln. Stattdessen ist es gediegener, entschleunigter Pop, den die Dame hier serviert. Nichts für den Club, dafür umso mehr für die Lounge. Es ist clever gestrickte Wohlfühlmusik. Mit einer Wohlfühlstimme, Lyrics, die thematisch jeden schon einmal getroffen haben und zu guter Letzt einem eindringlichen Albumcover.

Klaus Porst

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"Gemini Feed"
"Fuck With Myself"

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