Rezension

Badly Drawn Boy

It's What I'm Thinking Pt.1 – Photographing Snowflakes


Highlights: It's What I'm Thinking // This Electric // I Saw You Walk Away
Genre: Singer/Songwriter // Folk // Indie-Pop
Sounds Like: I Am Kloot // Travis // Eels

VÖ: 12.11.2010

Wollmütze! So, jetzt hat man das erstmal aus den Füßen. Einen Text über Damon Gough zu schreiben, ist dann auch viel entspannter, wenn man das Wort gleich raushaut. Irgendwann muss es ja kommen, warum also lange rumkrampfen? Worum geht’s gleich noch? Richtig, ein neues Album von eben jenem Musiker, der sich auch Badly Drawn Boy zu nennen pflegt: zehn Jahre nach dem Debütalbum „The Hour Of The Bewilderness“, für das es gleich den Mercury Prize gab, und vier Jahre nach dem letzten regulären Studioalbum „Born In The UK“ – für das es dann keinen Preis mehr gab. Lange Zeit war es danach still um den Mann mit der, genau, Mütze, bis er im letzten Jahr mit „Is There Nothing We Could Do?“ den Soundtrack zum Film „The Fattest Man In The UK“ veröffentlichte. Das hat bei Gough anscheinend die Kreativbremse gelöst, so dass die Songideen nur so aus ihm raus gepurzelt sein müssen. Denn „Photographing Snowflakes“ ist nicht nur einfach ein neues Album, sondern gleichzeitig auch die Eröffnung der Album-Trilogie „It’s What I’m Thinking“. In nächster Zeit wird man also wieder mehr von dem sympathisch wirkenden Zausel zu hören bekommen.

Sanft wie eine Feder schwebt der Opener „In Safe Hands“ auf den Hörer hinab. Dessen melancholisch verträumte Stimmung zieht sich durch das gesamte Album, aber das soll uns zu dieser Jahreszeit ja nicht stören. Im Gegenteil: man kann sich gut vorstellen, zu dieser Musik Kastanienmännchen zu basteln. Während ein Song wie „What Tomorrow Brings“ scheinbar skizzenhaft daherkommt, sind „Too Many Miracles“ und das fantastische „This Electric“ opulent orchestrierte Popsongs. Kernstück des Albums ist die fast siebenminütige, titelgebende Nummer „It’s What I’m Thinking“, mit der sich Gough psychedelisch, aber auch bescheiden gibt: „I know it isn't much, but it's what I'm thinking”

Sollten die weiteren Alben der angekündigten Trilogie das Niveau von „Photographing Snowflakes“ halten, ist Vorfreude durchaus berechtigt. Auch wenn es auf Albumlänge stellenweise zu gediegen daherkommt und der ein oder andere Song etwas belanglos an einem vorbei rauscht, gibt die Mischung aus Folk und Pop doch einen hervorragenden Soundtrack für die anstehenden Wintertage ab. Und vor dieser Leistung kann man durchaus seine Wollmütze ziehen.

Florian Tomaszewski

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