Rezension

Badly Drawn Boy

Is There Nothing We Could Do


Highlights: Just Look At Us Now?
Genre: Singer/Songwriter // Folk-Pop
Sounds Like: Ed Harcourt // Eels // Sondre Lerche // Belle & Sebastian

VÖ: 21.05.2010

„The Hour Of Bewilderbeast" war sicherlich ein beachtliches (das bisher beachtlichste) außerfilmisches Musikerzeugnis Damon Goughs, dem schlecht gezeichneten Jungen. Voller Ideen war damals der Kopf des bärtigen Strickmützenträgers, Vergleiche mit Beck und gar seinem großen Idol, Bruce Springsteen, waren zuhauf in der Presse zu lesen und irgendwie waren diese von Euphorie getragenen Hoffnungen ja auch berechtigt. Erst im Folgenden kam er auf den Trichter, Musik für Filme beizusteuern, eher ernüchternd klang letzten Endes das Ergebnis. Dabei können Filmsoundtracks etwas Wunderbares sein. So mancher Film hat schon Compilations, gespickt mit klangvollen Namen, ans Licht der Welt gebracht oder auch Clint Mansell und Yann Tiersen haben demonstriert, dass Musik und Film durchaus Hand in Hand gehen können. In der Verfilmung zu Nick Hornbys „About a Boy“ wendete sich bei Badly Drawn Boy alles hin zum seichten, melodramatischen Pop und zu der Erkenntnis, dass er mit seinen Gedanken bei all denen ist, die in Ihrer kleinbürgerlichen Existenz gegen den Alltag und ihre Schicksale ankämpfen. Die Aussagen blieben in all den Jahren stets dieselben. Bis auf einige gelungene Songs reduzierte sich das Bild auf einen recht unauffälligen Singer/Songwriter. Auch dem erlauchten Club um Clint Mansell oder Ennio Moricone wird Gough vorerst wohl kaum beiwohnen.

Demzufolge ist das neue Album und – wie soll es anders sein – gleichzeitig der Soundtrack zum Film „The Fattest Man in Britain“ nichts als eine Fortsetzung dieser dreisten Behauptung. Der Titel des Filmes lässt, ohne auch nur eine Szene gesehen zu haben, schon erahnen, dass auch dieses Mal der Mensch ohne Freunde und Freude im Mittelpunkt der Betrachtung steht. Schon nach dem Intro „OpeningTheme“ in Form eines sich wiederholenden Klavier-Themas ist man geneigt, die Platte auszuwerfen und im hintersten Eck des CD-Regals verschwinden zu lassen.

Originäres Herzstück der Platte bildet „Welcome Me To Your World“ als Nachfolger von „Something To Talk About“ (des "About A Boy"-Soundtracks). Abwandlungen der Melodie des Stücks finden sich zuhauf, teils sehr penetranter Art. Einige Male werden sie instrumentell neu verarbeitet oder mit Dialogfetzen des Films vorgetragen. Musikalisch gelingt der Spagat zwischen Opulenz und minimiertem Einsatz von Klavier oder Gitarre an sich recht gekonnt. Vielmals glaubt man aber, der Musik-AG der Schule zu lauschen, die Damon Gough dirigiert. Witz, Ideen, Inspiration weichen dennoch unüberhörbarem Kitsch und aus der Nase gezogenem Zweckoptimismus. Über dem schönen Moment einzelner Songs steht zumeist die lyrische Ödnis sich wiederholender Phrasen, die in ihrer Wirkung das Ziel wohl weit verfehlen. Unzählige Male wird dem Hörer offenbart: „I don’t know how this began; don’t know how it will end”. Ein Kommentar könnte lauten: „Ja, wir wissen es jetzt!“ oder auch „was wissen wir denn jetzt?“. Auf jeden Fall fördern die sich wiederholenden Darlegungen musikalischer als auch lyrischer Form keinesfalls des Hörers Empathie, sondern eher Antipathie.

Machen wir es kurz: Es ist nicht alles schlecht auf dem Album.

Achim Schlachter

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