Rezension

BadBadNotGood

IV


Highlights: Speaking Gently // IV // Cashmere
Genre: Jazz // Hip-Hop
Sounds Like: Kamasi Washington // Bonobo // Madvillain // Thundercat

VÖ: 08.07.2016

Die drei ehemaligen Jazzstudenten von BadBadNotGood lassen es regelmäßig krachen. Nach nunmehr fünf Alben in sechs Jahren, sowie zahlreichen Kooperationen und Auftragsarbeiten, ist kein Ende ihres Erfolges in Sicht. Vielleicht auch deshalb, da ihre Musik trotz ihres akademischen Backgrounds gerade keine Kopfmusik ist. Ihrer Liebe zum Hip-Hop Ausdruck verleihend, holen die Kanadier aus Piano, Bass und Drums mehr Druck heraus als jedes tiefergelegte Muscle-Car.

Diesem Image, das ihnen großen Lob ihres wohl bekanntesten Fanboys Tyler, The Creator einbrachte, bleiben die Kanadier BBNG auf Teilen ihrer neuen Platte treu. Das starke „Speaking Gently“ tut exakt, was man von den Herren erwartet, wenn sich über Matthew Tavares’ verhangene Synthies langsam Chester Hansens Bass und Alexander Sowinskis exakt und angejazzt-virtuos gespielte Drums legen. „Confessions Pt II“ überrollt einen in seiner klanglichen Verdichtung nahezu und der Song „IV“ geht einen großen Schritt hinein in die Improvisation. Ihre spielerische Qualität ist es dann doch, die BBNGs Jazz-Hip-Hop-Mischung so mitreißend macht.

Neu ist auf „IV“ das Hinzutreten von Saxophonist Leland Whitty und man ist sofort überrascht, wie reibungslos sein Instrument einerseits den Jazz-Anteil seiner Band ausdifferenziert und andererseits den Brückenschlag in den Mainstream schafft. Durch das deutlich vielschichtigere Klangbild entstehen Arrangements, die die Grundlage für eine ganze farbenfrohe Palette an verschiedenen Pop-Songs bilden und BBNG musikalisch etwa in die Nähe des Franzosen Bonobo bringen.

Diverse Kooperationen verleihen der Platte zudem unterschiedliche Gesichter. Die Zusammenarbeit mit Produzent Kaytranada („Lavender“) verharrt dabei klanglich noch in dem altbekannten druckvollen Sound der Band. Mit Rapper Mick Jenkins erschaffen BBNG sonnengetränkten Hip-Hop, wie man ihn bereits auf ihrer 2015er Platte „Sour Soul“ zusammen mit Ghostface Killah bewundern durfte. Wenn hingegen Samuel Herring („Time Moves Slow“), Sänger der Future Islands, oder Singer-Songwriterin Charlotte Day Wilson („In Your Eyes“) ihre Stimmen entfalten dürfen, entstehen schön-entwickelte Pop-Perlen.

Jonatan Biskamp

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"Speaking Gently" im Stream
"Confessions Pt II (Feat. Colin Stetson)" im Stream

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