Rezension

Ava Luna

Electric Balloon


Highlights: Sears Roebuck M&Ms // Crown // Judy
Genre: Nervous Soul // Art-Pop
Sounds Like: Metronomy // The Dirty Projectors // Talking Heads

VÖ: 28.02.2014

Manchmal ist das Weglassen von Zutaten das einfachere und richtige Rezept. Bezogen auf die Art-Rocker Ava Luna bedeutete dies 2014 von einer Band aus sieben Mitgliedern auf fünf zu schrumpfen und eingängigere Melodien nicht mehr als Anbiederung an den Mainstream zu verteufeln. Das Ergebnis war ein Quantensprung vom spröden und stark verkopften Debütalbum „Ice Level“ auf das begeisternde „Electric Balloon“.

Trotz der Neuformation muss man sich Ava Luna wie eine Familie vorstellen. In ihrer Heimat Brooklyn traf man sich vornehmlich zum gemeinsamen Kochen, um dann anschließend in einer Art After-Diner-Session kreativ zu werden. Hierbei feilten Ava Luna an ihrem Stil, den man mitunter als „Nervous Soul“ bezeichnet. Der treffende Anthropomorphismus ist gleichzeitig jedoch grob simplifizierend, bedenkt man das breite Spektrum aus Dance-Punk, Elektro-Pop, '70s-Rock, Funk, Post-Punk bis hin zu R&B, aus dem sich die New Yorker Damen und Herren mittlerweile wie selbstverständlich bedienen.

Und Ava Luna bewahren sich geschickt ihre vielen Gesichter. Neben Bandleader Carlos Hernandez singen auch Felicia Douglass und Becca Kauffmann und jeder sorgt mit seiner Stimme für ganz individuelle Höhepunkte. Kauffmann, die dem aufgedrehten Sound ihrer Band noch am ehesten eine tanzbare wie punkige Attitüde verleiht, singt-kreischt sich durch die Single „Sears Rosebucks M&Ms“ und den Titeltrack „Electric Balloon“. Felicia Douglass hingegen kann in „Prpl“ auch in hohen Tonlagen überzeugen und sorgt damit für den gefühlvollen R&B-Ruhepol.

Die Rolle des Frontmanns gehört aber weiterhin Hernandez, der diese wild und ungestüm ausfüllt – stets kontrastiert durch eingeworfene Ooh-oohs und Aah-aahs seiner Kolleginnen Douglass und Kauffmann. „Daydream“ startet so aufgekratzt und bunt, dass es selbst das Saxophon wie von der Tarantel gestochen an die Decke gehen lässt. In „Crown“ übertrifft sich Hernandez selber, wenn seine Exzentrik an einen jungen, verrückt gestikulierenden Joe Cocker erinnert.

Bei all der Vielfalt ist „Electric Balloon“ dennoch unheimlich homogen. Dafür sorgen die puristische Soundarchitektur, die die mit Energie aufgeladenen Songs nie überborden lässt, und die Leistung der Band, in der viele Köche einmal nicht den Brei verderben.

Jonatan Biskamp

Sehen


"Sears Roebuck M&Ms"

Hören


"Crown" im Stream

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.