Rezension

Atmosphere

When Life Gives You Lemons, You Paint That Shit Gold


Highlights: The Skinny // Dreamer // Shoulda Known // Paintings // Your Glasshouse // Me // Can't Break // Guarantees
Genre: HipHop
Sounds Like: Dälek // Saul Williams // Sole & The Skyrider Band

VÖ: 06.06.2008

In ihrer Heimat, den USA, sind Atmosphere aka Slug und Ant schon ein recht großer Name, rund eine Million Platten verkauften sie bislang dort. Nun liegt ihr sechstes Studioalbum auch hier vor. „When Life Gives You Lemons, You Paint That Shit Gold“ umfasst 15 Titel und um dem Titel gerecht zu werden, ist die CD-Hülle mit einer dezenten Goldschicht überdeckt. Wer jetzt nun denkt, man hätte es hier mit einer Gangster-Rap-Platte mit möglichst viel blinkendem Glitzerkram und dicken Autos zu tun, der irrt. Atmosphere bedienen sich in ihren Lyrics zwar auch des allgegenwärtigen Themas des Lebens der Menschen in der Gesellschaft, die nicht zu den Gewinnern zählen, allerdings wird hier kein Ghettoleben heroisiert und nicht nach Drogen und leicht bekleideten Damen gerufen, sondern Missstände aufgezeigt und angeprangert.

Musikalisch vermitteln die zwei, von diversen Gastmusikern unterstützt, zwar nicht immer den Eindruck, dass auf dem Album harter Überlebenskampf am Rande der Gesellschaft stattfindet, schon der erste Song „Like The Rest Of Us“ klingt eher nach einem Barsong. Ruhige Pianountermalung, dezentes Schlagzeug und dazu Strandgitarre, zunächst suggerieren Atmosphere Entspanntheit. „Puppets“ klingt sehr nach Kanye West, inklusive Gospelchor, und ist dem Rockstarleben und dem damit verbundenen Drogenkonsum gewidmet. Ein wirkliches Highlight ist dann „Dreamer“, erneut sehr chillig klingend, weist beim näheren Hinhören der Text auf das harte Leben einer allein stehenden Mutter, die gerade so sich und ihr Kind mit durch viel Arbeit mit Überstunden durchbringt. Ihr Sohn der einzige Mann, dem sie trauen kann, am Existenzminimum immer auf der Kante balancierend und doch – deswegen auch der Titel - hat sie immer noch Träume eines besseren Lebens für sich aufbewahrt, um nicht aufzugeben. „Shoulda Known“ die erste Single des Albums, ist besonders wegen der Instrumentalisierung interessant, ein verzerrter Bass-Synthesizer-Lauf sorgt hier für Ohrwurmgefahr. „You“, ebenfalls mit sehr markantem Bassspiel, ein ziemlich wunderbarer Song, weist textlich darauf hin, mehr selbst zu sein, statt dem Leben anderer hinterherzulaufen („You love the people that love you // You hear the music they move to // You give all to the fall through // But you don’t know you“).

Musikalisch wunderschön geht es weiter: „Painting“ mimt wieder trügerisches Urlaubsfeeling, die Gitarre erinnert hier teilweise an Balladen auf dem Red-Hot-Chili-Peppers-Album „Californication“, beschreibt aber inhaltlich den Kampf eines Mannes um die eigene Vergangenheitsbewältigung, begleitet vom Gebrauch realitätsnehmender Mittel. Allerdings holt die Realität einen immer wieder ein. Highlights gibt es extrem viele auf diesem Album, beispielsweise folgen noch „Your Glasshouse“, wieder so ein Song mit dunklen Keyboardflächen, die eine bedrohliche Atmosphäre schaffen. Ebenso „Guarantees“, die zweite Single, eine Ballade, nur begleitet von einer Akustikgitarre, die wohl all jenen Mut machen soll, die diesen ob ihrer Situation schon fast verloren haben („The only guarantee in life is a life worth dying for // ’Cause death don’t wait for no one // He’s sittin’ on your front door“). „Me“ besticht vor allem durch die weiblichen Backgroundvocals von Mankwe Nkosi. Richtig böse klingt fast zum Schluss „Can’t Break“, bedingt auch hier wieder durch Synthesizerklänge, die eine sehr bedrohliche, unruhige Atmosphäre schaffen und diesmal leicht aggressiv anmutenden Gesang, der sehr an Saul Williams erinnert. Dieses Album spiegelt nahezu alle musikalischen Facetten wieder, von weichen Balladen über Ohrwürmer bis hin zu harten Tracks ist alles vertreten, ist dazu noch schonungslos sozialkritisch und weiß, die richtigen Wunden der Gesellschaft und auch des Einzelnen aufzuzeigen.

Klaus Porst

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