Rezension

Atlas Sound

Parallax


Highlights: The Shakes // Amplifiers // Te Amo // Mona Lisa // Terra Incognita
Genre: Indie // Electro-Pop // Singer/Songwriter
Sounds Like: Deerhunter // Panda Bear // Grizzly Bear // Animal Collective

VÖ: 04.11.2011

Ok, was macht dieser Bradford Cox eigentlich, außer Musik zu schreiben? Fünf Alben mit seiner Hauptband Deerhunter in fünf Jahren, dazu jetzt auch noch die dritte Platte seines Solo-Projekts Atlas Sound seit 2008. Und dann wäre da ja auch noch die Nummer mit seinen 49 Home-Recordings, die er letztes Jahr digital einfach mal so kostenlos unter das Volk gebracht hat. Andere Workaholics klagen da schon mal über Qualitätsverstopfung. Cox hingegen scheint schlichtweg immer besser zu werden. Nachdem letztes Jahr mit „Halcyon Digest“ bereits der Durchbruch mit Deerhunter gelang, wird „Parallax“ den gleichen Schritt für Atlas Sound machen.

Dazu muss man sich nur mal die Entwicklung vor Augen führen, die Bradford Cox seit seinem Solo-Debüt durchgemacht hat. Zwischen dem ambientlastigen „Let The Blind Lead Those Who Can See But Cannot Feel” (weiterhin der beste Albumtitel überhaupt) und seinem neuesten Streich liegen songwriterische Welten. Während Cox seine Songs früher gerne mal ins Leere laufen ließ und viele Stücke einfach nicht griffig genug waren, geht er mittlerweile wesentlich fokussierter vor. Wer sich „Parallax“ anhört, wird von einer wahren Melodiewelle hinweggeschwemmt. Und trotzdem prangt der Atlas-Sound-Stempel nach wie vor ganz dick auf jedem einzelnen Ton. Damals wie heute sind die Songs zauberhafte „sci-fi fever dreams“, nur eben next generation.

Wie kleine Mosaiksteinchen setzt Cox die meist im Hintergrund ganz beiläufig daherkommenden Gitarren-Parts und die unzähligen elektronischen Effekte samt Drumcomputer zu Songs zusammen, die beim ersten Hören vielleicht noch etwas unauffällig wirken, sich dann aber richtig hartnäckig festsetzen. Einmal drin, will man so schnell nichts anderes mehr hören. Andere Musiker und besonders deren Erzeugnisse kommen einem plötzlich furchtbar belanglos und uninspiriert vor. Wenn Popmusik heute noch irgendwen nachhaltig begeistern soll, dann muss sie so klingen. Und das gilt auf „Parallax“ nicht nur für einige Songs, sondern für die Tracks Eins bis Zwölf, die man am ehesten noch in "brilliant" unterteilen kann.

Keine Frage, das hier ist ein Album, welches bei vielen automatisch als „das Meisterwerk“ gelten würde. Bei Bradford Cox hat man dennoch das Gefühl, dass da eventuell sogar noch mehr geht. Wer dermaßen viel Kreativität in sich hat, ist unberechenbar. Einzig das Albumcover ist wohl kaum noch zu toppen. Elvis und Jeff Buckley grüßen von oben. Und das ganz ohne rot zu werden.

Benjamin Köhler

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