Rezension

Apparat

Krieg und Frieden (Music for Theatre)


Highlights: PV // 44 // Austerlitz
Genre: Postrock
Sounds Like: Godspeed You! Black Emperor // Esmerine // A Silver Mt. Zion // Thom Yorke

VÖ: 15.02.2013

Wenn Musiker Nebeneinkünfte erzielen möchten, kann das bisweilen ganz schön schief gehen. Sich durch krude Beiträge zu Film, Fernsehen, Theater einen Makel ins Oeuvre zu spielen – zuletzt zeigten Lou Reed und Metallica, wie man an klassischen Stoffen grandios scheitern kann. Aber es geht eben auch anders, siehe zum Beispiel Tom Waits. „Music For Theatre“ lautet nun auch der Untertitel zum Album „Krieg Und Frieden“, bei welchem Sascha Brämer, besser bekannt als Apparat, sich am historischen Werk von Tolstoi versucht.

Man muss nun Tolstoi und das Werk nicht kennen, um „Krieg Und Frieden“ hören zu können. Obgleich es sich hierbei um die Vertonung einer aktuellen Inszenierung handelt, funktioniert die Platte auch ohne den über tausendseitigen Wälzer über die napoleonischen Feldzüge auswendig gelernt zu haben. „Krieg Und Frieden“ kommt als nahezu komplettes Instrumentalwerk daher und wirkt zunächst völlig anders, als man es von Apparat erwarten würde, dessen Werk bislang stark elektronischer Natur war. Stattdessen gibt es zunächst das volle Programm klassischer Streicher, die den Song „44“ an Postrockbands wie Godspeed You! Black Emperor oder Esmerine heranrücken lässt. Auch die Wiederverwertung dieses Stoffes in der folgenden „Noise“-Version in Drone-Art passt hierbei ins Schema. Da in „Krieg und Frieden“ der Tod eine gewisse Rolle spielt, darf er auch in dieser Interpretation nicht fehlen. Brämer zeichnet den Tod in einem zugleich lärmenden und unbestimmt dahingleitenden Rauschen. Erst später, etwa in „PV“ oder „A Violent Sky“ zeigt sich die elektronische Herkunft Apparats, die sich hier in Ambient-Elektro mit Hang zu kleineren Frickeleien im Stile Thom Yorkes niederschlägt. Hauptaspekt ist jedoch der Einsatz klassischer Elemente, seien es Glockenspiel, Klavier oder eben die Streicher.

„Krieg Und Frieden“ trägt somit über weite Strecken thematisch nicht die Schwere und Ausdrucksstärke der Buch- oder Theatervorlage, sondern eignet sich erstaunlich gut für den Bereich „Easy Listening“, wenn man darunter mehr als nur Frühstücksfernsehenuntermalung versteht.

Klaus Porst

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