Rezension

Apocalyptica

Shadowmaker


Highlights: Reign Of Fear // Riot Lights // Till Death Do Us Part
Genre: Klassik-Rock // Classic-Rock
Sounds Like: Audioslave // Creed // 70er-Rockbands

VÖ: 17.04.2015

„Ach, die gibt es noch?“. Ein Satz mit Diagnose. Oft gehört bei Bands, die irgendwie in der Versenkung verschwunden sind und nun kurz wieder an der Bedeutungsoberfläche kratzen. „Ach, die gibt es noch?“ passt auch zu Apocalyptica, die zwar 2010 ein Album veröffentlicht haben, ansonsten aber seit ungefähr zehn Jahren von der Bildfläche verschwunden waren. „Shadowmaker“ ist das achte Album der Band und bringt trotzdem eine wirkliche Neuerung mit: Einen Sänger.

Zwar holte man sich bereits für vergangene Stücke mal mehr, mal weniger gute Gäste als Unterstützung, auf „Shadowmaker“ jedoch ist es Franky Perez, der den meisten Songs seine Stimme leihen darf. Ähnlich wie „Ach,die gibt es noch?“, wirkt der Spruch „früher waren die besser“. Auch dieser trifft leider auf Apocalyptica zu. Dass eine Band aus vier Cellos eine Art Metal spielt, war neu. Als dann ein Schlagzeug hinzu kam, war das schon nicht mehr ganz so gut, da dieses oft den typischen Bandsound niederknüppelte. So auch bei „Shadowmaker“, nur dass hier noch zusätzlich Bass, Gitarre und eben Perez reinpfuschen. In Konsequenz klingen Apocalyptica wie eine gewöhnlich-unterdurchschnittliche Rockband. „Cold Blood“ etwa, nach dem Intro der Opener, lässt Streichinstrumente allenfalls erahnen und klingt stark nach dem, was einem immer gern als Classicrock verkauft wird. Stadionrock zum Mitgröhlen, was zum großen Teil an Perez liegt, dessen Stimme nach Durchschnitts-70er klingt. Langweilig und austauschbar. Kitschballaden inklusive – „Hole In My Soul“ – dafür würde sich selbst Bon Jovi schämen. Der Titeltrack hat seine Stärken im Instrumentalteil, bei dem es, dem Beiwerk zum Trotz, vor allem wegen der Violincellos abgeht.

Einen Großteil von „Shadowmaker“ kann man aufgrund obiger Konstellation vergessen. Instrumental beliebig, durch den Gesang ärgerlich. „House Of Chains“ kopiert Audioslave samt des Sounds von Chris Cornell. Wie es besser geht, zeigen „Reign Of Fear“ und „Riot Lights“, die die Symbiose aus „alten“ Apocalyptica und Rockbandunterstützung schafft. Freilich ohne Gesang. Das lange „Till Death Do Us Part“ schafft es sogar, Spannungsbögen aufzubauen und nicht Sekunden später zu zerschreddern, hier zeigt sich auch, dass die Finnen nicht nur stumpf spielen, sondern eine Virtuosität mitbringen, die über billige Rockrythmen, die mit Streichern nachgespielt werden, hinaus geht.

Klaus Porst

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Video zu "Cold Blood"

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