Rezension

Antilopen Gang

Abbruch Abbruch


Highlights: Wein Zu Wasser // Bang Bang // Abraxas
Genre: Deutschrap
Sounds Like: Juse Ju // Zugezogen Maskulin // Fatoni

VÖ: 24.01.2020

Egal ob Salami oder Funghi, alle mögen „Pizza“. Nur die Antilopen Gang nicht. Der Hit vom letzten Album „Anarchie Und Alltag“ hat Koljah, Danger Dan und Panik Panzer anscheinend Angst eingejagt. Angst vor dem eigenen Charterfolg, vor Bierzelt und Anbiederung. Denn „wenn ihr nicht so dumm wärt, wär’ ‚Pizza‘ kein Hit“, wie es Panzer ausdrückt. Seit der letzten gemeinsamen Platte spülte sich Danger Dan seine Pop-Affinität mit einem Soloalbum aus dem System, wandte sich Koljah mit einer EP lieber geradlinigem Rap zu und Panik Panzer hatte bei beiden die Finger an den Reglern.

„Abbruch Abbruch“ also, sofortiger Rückzug. Und Rückbezug. Die Tracklist macht es deutlich: Vom Jahr des Durchbruchs „2013“ über den Blick aufs Jetzt in „Wie Wir Leben“ spannt sich der Bogen nicht in die Zukunft, sondern in Richtung „Abraxas“, der alten Stammkneipe in Düsseldorf, wo alles begann. Die Punkgitarren beschränken sich diesmal auf nur einen Song, die Beats klingen eher nach den frühen EPs oder dem „Abwasser“-Mixtape von 2015. Alles wirkt zurückgenommener als auf dem Vorgänger, im positiven Sinne.

Die Antilopen wissen, dass sie nicht mehr zur jüngsten Generation Deutschrap gehören. Hier und da greifen sie modernere Flows auf, die Stärken bleiben aber Hooks, Haltung und Humor. Schön, dass sie es dabei schaffen, neue Themen aufzugreifen, die im von der eigenen Männlichkeit faszinierten Rap-Mainstream sonst lieber nicht angesprochen werden: Trennungen können Vorteile haben, Kiffen kann Nachteile haben und die gesellschaftliche Erwartungshaltung macht das erste Mal Sex kaputt. Dazwischen findet sich mit „Wein Zu Wasser“ auch einer der besten straighten Rap-Tracks, den die Gang bisher veröffentlicht hat. Die zweite Hälfte fällt etwas ab, endet mit der düsteren Geschichte von „Abraxas“ aber mit einem Highlight.

Einen kurzen Blick ins Bierzelt werfen die Antilopen doch: „Smauldo“ ist eine Kirmestechno-Hymne mit viel Grölen und Klatschen, die Lines sind schön einfach gehalten, aber dann fühlt man sich beim Mitsingen in den eigenen Heucheleien ertappt und da macht das Saufen nur noch halb so viel Spaß. Pizza schmeckt aber eben auch betrunken noch großartig.

Marc Grimmer

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