Rezension

Anti-Pop Consortium

Fluorescent Black


Highlights: Superunfrontable // Capricorn One // Lay Me Down
Genre: HipHop
Sounds Like: Dälek // Saul Williams// James Lavelle // U.N.K.L.E

VÖ: 25.09.2009

Genre: Hiphop. Für viele ist schon hier Schluss. Während Fans jeglicher Musikrichtungen immer wieder propagieren, wie liberal und offen sie gegenüber anderem seien, bei HipHop sind Berührungsängste bei nahezu jedem so hoch, pauschal alles aus dieser Richtung abzulehnen. HipHop, das ist die Musik der Ghettokids, die Musik der Sidos, 50-Cents, dicken Karren, Knarren und Titten. Dass HipHop ursprünglich einmal ganz anders entstanden ist, andere, zumeist gesellschaftskritische Inhalte hatte, wird als 80er-Jahre-Ding abgetan, als Zeit, die vorbei ist und die gesellschaftlichen Probleme von damals sind heute auch egal. TripHop ja klar, HipHop auf gar keinen Fall. Das es mindestens genauso viel guten HipHop wie gute populäre Chartsmusik gibt, wird einfach ausgeblendet.

Eine HipHop-Band, die innerhalb dieser Richtung eine solche Qualität abliefern, ist das Anti-Pop Consortium. Seit 1997 gibt es dieses Quartett, 2002 löste man sich auf. In dieser Zeit spielte man unter anderem als Support von Radiohead auf deren Amnesiac-Tour. 2007 folgte die Wiedervereinigung und nun, mit „Fluorescent Black“ ein neues Studioalbum, das es in sich hat. Es ist nahezu unmöglich, sich die 17 Tracks in einem Stück anzuhören, so sehr fordert das Anti-Pop Consortium die Hörnerven heraus. Krachiger Industriallärm läutet „Lay Me Down“ ein, sofort drängt sich die von Trent Reznor produzierte letzte Saul-Williams-Platte als Referenz auf – ein Umstand, der über das ganze Album Bestand haben wird, unter anderem deshalb, weil der an elektronische Musik angelehnte Anteil der Musik über die üblichen Beats hinausgeht.

Trotz des Bandnamens finden sich auf „Fluorescent Black“ durchaus einige Nummern, denen man Verwandtschaft zu populärem HipHop bis hin zu Clubtauglichkeit unterstellen kann – beispielsweise „Born Electric“, „Shine“ oder „Capricorn One“. „New Jack Exterminator“ könnte auch einem der vielen U.N.K.L.E-Remixalben entstammen. Wer neben all den flirrenden, hereinbrechenden und wabernden Beats noch in der Lage ist, den Texten zu folgen, gebührt definitiv Anerkennung, denn leider sind diese nicht im Booklet zu finden – und das bei einer Band, die definitiv etwas zu sagen hat. „Fluorescent Black“ liefert HipHop, der fordert, der manchmal auch überfordert, vielleicht nicht jedermanns Sache ist, aber wer Gefallen an Musikern wie Saul Williams, Dälek oder den nicht-poppigen U.N.K.L.E. hat, dem bietet das Anti-Pop Consortium eine dankbare Herausforderung für die nächsten Wochen und Monate.

Klaus Porst

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