Rezension

Altin Gün

Gece


Highlights: Yolcu // Vay Dünya // Anlatmam Derdimi // Derdimi Dökersem
Genre: Psychedelic // Folk // Anadolu Rock
Sounds Like: Derya Yildirim & Grup Simsek // Baba Zula // Gaye Su Akyol // Mogollar

VÖ: 25.04.2019

Ein Tag mit Altin Gün ist ein „Goldener Tag“, wie ihr Bandname übersetzt heißt. Dass neben Gold auch Retro äußerst hip ist, weiß die Band, die nun mit „Gece“ ihr zweites Album vorlegt, nur zu gut. Ihre Musik ist eine Hommage an den Anadolu Rock der 1960er und 1970er Jahre, an eine spezifische Mischung von Rock- und Volksmusik, die seit 2010 zunehmend wieder an Popularität gewinnt.

Die Stücke sind dabei Neuinterpretationen von alten Klassikern, beispielsweise von Neşet Ertaş oder Aşik Veysel. Stücke, die fest in einem anatolischen musikalischen Gedächtnis verankert sind und von denen es bereits hunderte Interpretationen gibt. Mehr als einzelne Textphrasen bleiben davon bei Altin Gün jedoch selten übrig. Diese oftmals repetitiven Versatzstücke werden dann von ihrer unverwechselbaren Soundkombination aus Rock, Funk, Jazz und Folk untermalt. Die elektronische Saz (eine dreisaitige türkische Laute) und der Gesang von Erdinç Ecevit und Merve Daşdemir bringen dabei einen warmen Klang in die Melodie, während Keyboards, Gitarre, Bass, Schlagzeug und Percussion den pulsierenden Rhythmus beisteuern.

Dabei sind die lyrischen Texte wie Gedichte und drehen sich um große Themen: Beispielsweise um die Vergänglichkeit dieser Welt und um uns Menschen als Reisende in ihr („Yolcu“), um die immanente Gleichzeitigkeit von Gut und Schlecht, wenn es heißt „Hiçbir zaman gül dikensiz“ – auf Deutsch „keine Rose ist ohne Dornen“ („Anlatmam Derdimi“) oder aber um den Verlust eines geliebten Menschen („Vay Dünya“). Dennoch gibt es in all dieser Melancholie nur Hoffnung, wenn wir tanzen („Kolbastı“).

Letzteres ist auch das Anliegen von Altin Gün. Die Menschen sollen tanzen und genau das gelingt ihnen bei ihrer folkig-psychedelischen Rockmusik und Neuinterpretation der Songs auch. So ist am Ende nicht nur der Tag vergoldet, sondern vielleicht auch die ein oder andere Nacht, was ihr Albumtitel „Gece“ übersetzt heißt.

Lina Niebling

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