Rezension

Alexis Taylor

Await Barbarians


Highlights: Closer To The Elderly // Am I Not A Soldier
Genre: Pop
Sounds Like: Hot Chip // Damon Albarn

VÖ: 13.06.2014

Wenn der Sänger einer Band ein Soloalbum veröffentlicht, stellt sich nicht selten die Frage, ob das wirklich nötig gewesen wäre. Oftmals klingen diese nahezu identisch zum Bekannten, im besten Fall sind sogar die üblichen Bandmitglieder als Features vertreten. Als Alexis Taylor, seines Zeichens Sänger bei Hot Chip, ein solches Soloalbum ankündigte, konnte man sich schon fragen, ob ein Unterschied überhaupt hörbar sein würde. Schließlich ist Taylors helle Stimme ein Markenzeichen der Elektrobastler.

„Await Barbarians“ überrascht in dieser Hinsicht dann doch. Es ist ähnlich wie Damon Albarns „Everyday Robots“ ein sehr persönliches, sehr zurückgenommenes Werk. Taylor träumt hörbar in den Tag hinein und lässt die Hörerschaft teilhaben. Kein „Ready For The Floor“, „Flutes“ oder dergleichen. Stattdessen hat man, ganz im Stile von Albarns Plattencover (und auch dessen Sound), das Gefühl, Taylor würde nach einem kräftezehrenden Abend mit seiner Hauptband entspannt mit einem Instrument in der Hand irgendwo herumsitzen und ein wenig in den anbrechenden Tag hineinsingen. Wo keine Zeilen mehr Platz haben, tut es auch ein „lalala“, zu dem noch ein paar letzte Akkorde auf der Akustikgitarre gezupft werden („Without A Crutch (2)“). In Songs wie „Dolly And Porter“ setzt er sich als letzter Mensch in einer Bar an das Klavier, das einsam in der Ecke herumsteht.

So gesehen sind die Stücke auf „Await Barbarians“ auch nicht vielschichtig. Taylor setzt wenig Akzente, spielt eher mit Auslassungen, als damit, drei oder vier Soundschichten übereinander zu legen, die seziert werden könnten – oder in Gesamtheit einen tanzbaren Hit hergäben. Vielmehr hört man hier die beiläufigen, persönlichen Experimente eines talentierten Musikers, der – man kennt das aus dem Fußball – immer der erste auf dem Platz zu sein scheint und sich schon mal ein wenig warm singt und kleinere Spielereien ausprobiert. Wohlwissend, dass der Rest der Band später etwas ganz Anderes machen wird.

Klaus Porst

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Video zu "Without A Crush"

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