Rezension

Alessandro Cortini

Avanti


Highlights: Perdonare // Aspettare // Vincere
Genre: Dark Ambient // IDM
Sounds Like: Mogwai // Fuck Buttons // Nils Frahm // Boards Of Canada

VÖ: 06.10.2017

Der Moment kurz vor der Katastrophe. Ein aufziehender Sturm mit ungewissem Ende. Eine folgenschwere Lebensentscheidung, deren Konsequenz nicht abzusehen ist. Alessandro Cortini schafft auf „Avanti“ den perfekten Soundtrack dieser Vorahnungen und Zwischenstimmungen, auch wenn es ihm persönlich um etwas anderes geht.

Cortini ist Produzent und Soundtüftler. Nahezu vernarrt in modulare analoge Synthesizer hinterließ er auch bei Nine-Inch-Nails-Mastermind Trent Reznor bleibenden Eindruck, der den Italiener fortan als Live-Mitglied seiner Band engagierte. Cortini veröffentlicht mit „Avanti“ nun sein drittes Album, das er ausschließlich auf einem EMS Synthi AKS einspielte. Als Inspirationsquelle dienten ihm alte Super-8-Aufnahmen seines Großvaters. Somit nähert sich Cortini auf „Avanti“ seiner eigenen Kindheit, mit all den „Fehlern und Ungenauigkeiten“, die der in die Tage gekommene Film offeriert.

Die Songs tragen Titel wie „Vincere“ (gewinnen) oder „Perdere“ (verlieren), „Iniziare“ (beginnen) und „Finire“ (beenden). Genauso existentialistisch ist die stets dramatische Grundstimmung, die bereits ab dem ersten Akkord mitschwingt. Cortinis Stücke folgen keinen Dramaturgien, sondern verharren in ihren eigenen Welten und kosten jeden Moment ihrer Theatralik aus. Eine gewisse Monotonie muss sich dann zwangsläufig irgendwann einstellen auf „Avanti“ und der Solo-Show des Synthesizers, denn die Tracks zielen stimmungsmäßig alle in die gleiche Richtung. Doch auch wenn man sich nicht als Technik-Nerd bezeichnen würde, entsteht auf der Platte so etwas wie ein Herbstsoundtrack – einer, der sich mit jedem welken, zu Boden segelnden Blatt seiner eigenen Vergänglichkeit erinnert.

Jonatan Biskamp

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