Rezension

Aaron & Bryce Dessner

Day Of The Dead


Highlights: Touch Of Grey // Peggy-O // New Speedway Boogie // Black Peter // Terrapin Station (Suite) // Attics Of My Life // Here Comes Sunshine // Cream Puff War
Genre: Alles
Sounds Like: Grateful Dead

VÖ: 20.05.2016

Was hier entstanden ist – soviel vorweg – ist schier unglaublich und überwältigend. Die Dessner-Zwillinge Aaron und Bryce von The National wollten zusammen mit vielen anderen ihnen nahestehenden Musikern – allen voran die anderen Brüder von The National, Scott und Bryan Devendorf - Grateful Dead eine Compilation widmen. Bereits vor einer Dekade haben die beiden „Dark Was The Night“ kuratiert, einen großartigen Independent-Sampler, doch dieses Projekt hier, das auch in der Idee sicher schon eine Dekade besteht, in der Mache fast ebenso lange, ist noch viel wahnwitziger und umfangreicher. Sage und schreibe 59 Songs umfasst der fünfteilige Sampler, an dem eine unfassbare Ansammlung an Künstlern teilgenommen hat.

Um einige Namen zu nennen: The National, Bob Weir von Grateful Dead selbst, Bonnie ‚Prince’ Billy, Bill Callahan, Fucked Up, The Walkmen, Ira Kaplan (Yo La Tengo), Lee Ranaldo (Sonic Youth), Stephen Malkmus and The Jicks, The War On Drugs, Grizzly Bear, The Flaming Lips, und und und. Allein an dieser Auswahl wird die Vielfalt klar – einmal die Vielfalt der von „The Dead“ inspirierten Künstler, und dann die Vielfalt, die dieser Sampler musikalisch darstellt. Spannend hierbei die Art der Interpretationen – einige Künstler, etwa The War On Drugs im eröffnenden „Touch Of Grey“, machen sich den Song so sehr zu eigen, dass er auch ihr eigener sein könnte, andere wiederum liefern spannende Interpretation wie Angel Olsen mit „Attics Of My Life“ oder Anohni and yMusic mit „Black Peter“. Schwierig, den Sampler zusammenfassend zu beschreiben, stellt er doch eine nahezu unerschöpfliche Beschäftigung dar, die sich aber – so viel sei gesagt – lohnt.

Diese unendliche Songsammlung zeigt, wie sehr The Grateful Dead in das US-amerikanische kulturelle Erbe des 20. Jahrhunderts eingegangen sind. Die Songs sind zu Folksongs geworden, nahezu losgelöst vom Urheber. Somit ist der Sampler nicht nur eine großartige Grateful-Dead-Werkschau, sondern auch einfach wirklich gute Musik. Welch wichtige, vielfältige Inspiration „The Dead“ sein können, für so viele verschiedene Musiker, belegt „Day Of The Dead“ – weiter als von Stargaze über Fucked Up zu Anohni könnte die Spanne kaum sein. Die Dessner-Brüder wollten der Nachwelt ein Denkmal für die Wichtigkeit der Grateful Dead setzen. Das ist ihnen mehr als eindrucksvoll gelungen. Sie heben das Erbe der Band auf ein neues Level – was man nun wirklich erst einmal schaffen musste. Die reine Arbeit an sich hätte wohl die Höchstwertung verdient, die schiere Vielfalt und der Umfang an sich entziehen sich nach musikalischen Aspekten jeglicher Wertung und sprechen einfach nur für sich.

Daniel Waldhuber

Hören


"Touch Of Grey" anhören

Finden


Bye-Bye



Am 5. Januar 2021 haben wir éclat eingestellt. Mehr Infos hierzu gibt es auf unserer Startseite!