Rezension

A.G. Cook

7G


Highlights: Acid Angel // Silver // Car Keys // Anything Could Happen // Beetlebum
Genre: Bubblegum Bass // PC Music
Sounds Like: Danny L Harle // Hannah Diamond // Sophie

VÖ: 12.08.2020

Das Label PC Music aus London um A.G. Cook ist in den letzten Jahren immer stärker in die Öffentlichkeit gerückt, blieb bei uns jedoch bis jetzt unbeachtet. Dabei sind Veröffentlichungen von KünstlerInnen wie Hannah Diamond sicherlich einige der spannendsten der letzten Jahre. Die fast schon surrealen Ansätze im Bereich der Popmusik bringt "7G" nun auf die Spitze.

Das über zweineinhalb Stunden dauernde und auf sieben kleine Alben aufgeteilte Werk ist ein wenig wie die Playlist einer WG-Party. Nicht eine, in der Ich + Ich, Bausa und Dr. Alban sich die Hand geben, sondern eine spannende, mit verschiedensten Genres gespickte, die immer wieder Neuem und Unbekanntem eine Plattform bietet. Dabei fällt es schwer, überhaupt besondere Highlights herauszuheben, finden sich doch mit jedem Hördurchgang neue Aspekte, die einem gefallen. So bleibt mal „Anything Could Happen“ mit seinen eingängigen Pianoklängen und dem treibenden Beat wie ein poppiges Bon-Iver-Stück im Ohr, mal kriegt man „Silver“ als Mischung aus Pop-Ohrwurm und Mitte-2000er-Lan-Party-Trance nicht mehr aus dem Kopf. Die Experimentierfreude zieht sich dabei durch das gesamte, sieben Platten umfassende Album. So erinnert „Acid Angel“ mit seinen teils zusammengewürfelt wirkenden Beats an eine weitaus elektronischere Variante von Sigur Rós und wirft damit vielleicht schon den Schatten der neuen Jónsi-Soloplatte voraus, die von A.G. Cook mitproduziert wurde. Trotz des experimentellen elektronischen Fadens, der sich durch alle Einzelplatten zieht, sind hin und wieder auch klassischere Gitarrenklänge zu finden. Besonders die zweite Platte, die den Zunamen „A.G. Guitar“ trägt, schlägt Singer-Songwriter-Töne an. Ob nun das zum Ende hin ausufernde „Gold Leaf“, das ruhige und erneut Jónsi ähnelnde „Being Harsh“ oder das erfrischende Cover des Blur-Klassikers „Beetlebum“ – auch im Gittarenbereich weiß A.G. Cook zu gefallen. Überhaupt bietet er auch seinen Einflüssen mit verschiedensten Covern eine Plattform, vom eben erwähnten „Beetlebum“ über eine Autotune-Version von Sias Chandelier und eine wunderbare Indie/Trance.Variante des 60er-Jahre-Hits „Crimson And Clover“ von Tommy James And The Shondells bis hin zu Cooks elektronischem Cover des Strokes-Ohrwurms „The End Has No End“.

„7G“ ist damit eines der abwechslungsreichsten Alben des Jahres und hält auf souveräne Art und Weise, was Cook mit der Ankündigung eines 49 Song starken Werks versprochen hat. So ist es nicht verwunderlich, dass diese Rezension nur einen kleinen Ausschnitt von „7G“ darstellen kann. Während man bei beinahe allen Doppelalben der Musikgeschichte größere Schwächen findet, fehlen diese bei „7G“. Dadurch wirkt es eher wie eine Best-Of-Compilation eines über Jahrzehnte wirkenden Musikers als wie ein Debüt-Studioalbum. Ob Cook das Ganze auch kompakter kann, wird sich glücklicherweise schon Mitte September klären, wenn der sich über eine Länge von zehn Songs streckende Nachfolger von „7G“ auf den Markt kommt.

Lewis Wellbrock

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