Rezension

2:54

2:54


Highlights: Creeping // Scarlet // You’re Early
Genre: Rock // Indie
Sounds Like: Esben & The Witch // Editors // Joy Division // Warpaint

VÖ: 25.05.2012

Ob Ihrer Seltenheit genießen Frauenbands im Rockbereich oftmals einen ganz besonderen Bonus. Unabhängig, wie gut oder schlecht – Hauptsache, es sind mal nicht die üblichen Anfang-20-Jungs aus dem Vorort. Wenn Frau zur Gitarre greift, gilt für viele Augen, was den Ohren schon lange zugeschrieben wird: Musik als wie auch immer gearteter Partnerersatz. Manchmal beschert das eine schnell wachsende Fanbasis, mal kann das auch nerven – siehe diverse Interviews mit Warpaint in denen diese sich über zu viel "Nähe" von Fans beschweren. Auch 2:54 sind eine Frauenband, ein Schwesternduo zudem, dem die Wirkung ihrer selbst und ihrer Musik durchaus bewusst ist und die dementsprechend auch beides gekonnt verbinden.

Das Debütalbum der beiden Damen mit dem zahlengewordenen Bandnamen besteht aus der gerade recht gefragten Melange aus Dark-Pop, Gitarrenrock, Indie und natürlich 80er-Bezug. Zwischen The Cure, den Editors und The XX macht es sich die Band bequem und schüttelt einige wirklich großartige Melodien aus dem Ärmel. Stücke wie „You’re Early“, „Revolving“ oder das Highlight „Scarlet“ nehmen eine Prise 70er-Gitarrenstimmung und die schwarz-weiß-Optik von Joy Division, strapazieren dabei jedoch nicht die Nerven des Hörers mit zu viel großer Depression. 2:54, das heißt nicht Selbstaufgabe, sondern allein im nebligen Wald tanzen.

2:54 könnten eine der Entdeckungen des Jahres sein, denn das Album erfüllt alle derzeit gängigen Muster. Wer Esben & The Witch hören kann, die Editors, Warpaint oder Joy Division mag, wird mit diesem beschwörenden Düsterpop sicher glücklich. Die kratzigen Gitarren sind genau so eingespielt, dass man nicht über Radiopop jammern kann, obgleich nahezu jedes der Stücke eine punktgenaue Melodik hat, um auch nach dem Ende der Platte noch einige Runden in den Ohren zu drehen. Und – ja, natürlich – auch die Optik kann so manchen ins Schwärmen geraten lassen.

Klaus Porst

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