Newcomer

Carlos Cipa


Carlos Cipa ist ein 22jähriger Musiker aus München, der dieser Tage mit "The Monarch And The Viceroy" sein Debütalbum veröffentlichen wird. Obwohl das Klavier das einzige Instrument ist, das man darauf zu hören bekommt, ist es ein erstaunlich vielfältiges Album geworden, ein Album, das so viele Stimmungen erfasst und so viele Geschichten zu erzählen hat, dass man sich die Zeit nehmen muss, sich Stück für Stück durch seine Kompositionen zu arbeiten. Wir haben mit Carlos Cipa gesprochen und wollen versuchen, ihn und seine Musik ein wenig besser zu verstehen.

Obwohl Carlos Cipa sich durchaus der Bewegung zeitgenössischer Pianisten und Komponisten um Nils Frahm, Goldmund, Dustin O'Halloran oder Fabrizio Paterlini zuordnen ließe, hat sich der junge Musiker diese Musik selbst nie groß wahrgenommen. Vielmehr ist sein Debütalbum zugleich Nebenprodukt und Ergebnis seiner zweijährigen Vorbereitungsphase auf ein Kompositionsstudium an der Musikhochschule München.

Mit den Anforderungen, die das Studium an ihn stellen wird, haben die Stücke auf "The Monarch And The Viceroy" allerdings nichts zu tun. Es sind Stücke, die melodiös sind und die auch das Potenzial haben, eine bereitere Hörerschaft zu finden. Fordert man ihn auf, seine eigene Musik einer Kategorie zuzuordnen, so sagt er selbst: "am weitesten Sinne natürlich in die Popmusik". Cipa sieht in der Bezeichnung "Unterhaltungsmusik" keine Abwertung. Er ist selbst passionierter Musikkonsument und eifriger Plattensammler, einer, der sich nicht nur auf der Seite der Musikschaffenden sieht, auch, wenn er seine Stücke freilich nicht aus der Motivation heraus schreibt, anderen zu gefallen und nicht ausschließt, dass seine zukünftigen Stücke an Zugänglichkeit verlieren könnten.

"Egal, in welche Richtung es mich in diesem Studium schlagen wird, mir wird es immer am wichtigsten sein, Musik zu machen. Und es soll auch immer Leute geben, die diese Musik anhören und etwas daran finden können."

Es verwundert nicht, dass Cipa in der Komposition von Filmmusik einen Ausweg für sich sieht. Wichtigste Bedingung und die größte Gefahr besteht für ihn jedoch dabei, dass die Musik zum begleitenden Element verkommt. Zu zwei (Kurz)filmen hat er bereits den Soundtrack beigesteuert. Doch eigentlich ist auch "The Monarch And The Viceroy" ein Album voller Filmmusik, für das passende Filmmaterial muss man im Grunde nur das eigene Kopfkino anwerfen. Für einen einzigen großen Film fehlt den Stücken auf Carlos Cipas Debütalbum allerdings noch der große Rahmen, was sicherlich auch am langen Entstehungszeitraum der einzelnen Stücke liegen mag.

Angefangen hat Carlos Cipa aber in einem anderen Genre. Er hatte zwar, seit er sechs Jahre alt war, Klavierunterricht, doch die erste eigene Musik machte er als Schlagzeuger – zunächst in einer Hardcoreband. Nach deren Auflösung versuchte er sich in Screamo und Punk, doch letztlich landete er wieder beim Klavier und begann, Klaviermusik zu schreiben.

"Durch das Schlagzeugspielen hab ich ein ganz anderes Verständnis für Rhythmus bekommen. Das Gefühl für die einzelnen Schläge, das verändert sich total, man spürt alles viel bewusster."

Wenn man von Cipas musikalischer Vergangenheit als Schlagzeuger weiß, fällt einem besonders auf, welche dominante Rolle der Rhythmus in den Stücken von "The Monarch And The Viceroy" einnimmt. Immer die selben repetitiven Muster in seinen Stücken durchlaufen zu lassen – das wäre Carlos Cipa dann doch zu einfach.

Wie es nach "The Monarch And The Viceroy" weitergehen wird mit Carlos Cipa und der Musik, dazu äußert er sich nur vage. "Farbiger" solle es werden, sein nächstes Album. Und auch ein neues Bandprojekt hat er begonnen, auf das man sicher auch gespannt sein darf – nach seinem reinen Klavieralbum lautet hier nämlich Devise: "so viele Instrumente wie möglich". Bis dahin bietet "The Monarch And The Viceroy" mit seinen komprimierten Stücken, in denen so viele Ideen nur kurz angerissen werden, aber erst einmal genug Material, um sich so manche ruhige Abendstunde zu vertreiben. Allein schon, was Cipa in "The Dream", seinem bisher besten Stück, an Dramatik vermittelt, ohne dabei zu dick aufzutragen, bietet Grund genug, immer wieder einzusteigen in dieses Album, das einem stets aufs Neue zeigt, wie warm und organisch Klaviermusik bei all ihrer Schlichtheit doch klingen kann.

"The Monarch And The Viceroy" erscheint am 15. Juni bei Denovali Records.

Kilian Braungart

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