Konzertbericht

The National


Kaum zu glauben! Neben den typischen Großstädten München, Berlin und Hamburg, haben sich The National ausgerechnet das beschauliche Freiburg als Location für ihre kleine Deutschland Tour ausgesucht.Weiterhin verzichtet man auch auf eine Vorband. Vielleicht hat ihnen ja jemand gesteckt, dass das Jo´s Fritz IMMER voll ist, egal wer kommt und was er spielt.

Auch an diesem Abend ist das nicht anders und obwohl niemand so genau weiß, wann genau die Band anfängt, ist der Club schon um halb zehn brechend voll. Das Jo´s Fritz Café verfügt über den wohl schmälsten Konzertsaal Deutschlands und um auf die Bühne zu kommen müssen sich die Musiker einen Weg durch die Menge bahnen. Eine Hintertür gibts nicht. Uns so betreten fast unbemerkt die live zu sechst agierenden The National die Bühne. Sehr mutig beginnt man mit "All The Wine" und sofort entwickelt sich eine unglaubliche Atmosphäre. Der Sound ist perfekt abgemischt und wird nur noch durch die unter die Haut gehende Stimme von Sänger Matt Berninger übertroffen. Dieser erinnert in seinen Gesten und Mimiken nicht selten an den großen Nick Cave. Ansonsten gibt sich die Band aber sehr schüchtern und zurückhaltend. Entertainment ist nicht die Sache von The National. Man lässt lieber die Musik sprechen. Geschickt streut man die wenigen Uptempo Nummern wie "Abel" oder "Lit Up" zwischen die ruhigen, voller Melancholie durchtränkten Songs. Besonders "Daughters Of The Soho Riots" treibt förmlich die Tränen in die Augen. Die wenigen Pärchen liegen sich verträumt in den Armen. Welcher Single will es ihnen bei der Musik ernsthaft verdenken?

Bis auf "Karen" und "City Middle" wird das grandiose neue Album "Alligator" komplett dargeboten. Aber auch die Anderen, den Meißten wohl eher unbekannten Songs werden dankbar vom Publikum goutiert. Gerade der zusätzliche Musiker umschmeichelt mit Geige und Keyboard immer wieder das Gehör der gefesselnden Menge. Etwas anderes kann man nämlich nicht, als mit offenem Mund dastehen. Nur bei "Mr. November" wird euphorisch mitgeschrien, sodass dieser kurzzeitige Ausbruch zum absoluten Höhepunkt eines grandiosen Konzertes gerät. Das The National nicht ohne drei Zugaben von der Bühne dürfen, haben sie sich selbst zuzuschreiben. Aber ein Anflug von Stolz können sie hinter ihren grundsympathischen Gesichtern nicht verbergen. Zu Recht!

Benjamin Köhler

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