Konzertbericht

Kishi Bashi


Es passt ja auf den ersten Blick nicht zusammen: Da nennt sich ein mitten auf dem Kiez gelegener Laden "Rock Café", hat ein dem Namen durchaus angemessenes Intérieur und verkauft Shots, die "Porno" heißen – und dann tritt mit Kishi Bashi ein Sohn zweier Universitätsprofessoren mit klassischer Geigenausbildung dort auf. Könnte man meinen – würde Kishi Bashi nicht sowieso schon alles Mögliche machen, was man bei so einer Backstory nicht unbedingt erwarten würde. Das weiß man spätestens nach seinem Debüt "151a".

Okay – insbesondere, wenn Kaoru Ishibashi gegen Ende seines Sets, fein in Weste und Fliege gekleidet, alleine auf seiner Violine Stücke wie das bezaubernde "Manchester" oder das todtraurige "I Am The Antichrist To You" spielt, kann er vom Prototyp des Rock wohl kaum weiter entfernt sein. Sobald er allerdings seine Band, bestehend aus Gitarrist, Drummer und E-Banjospieler um sich schart, sieht das Ganze schnell ganz anders aus: Da zeigt sich dann etwa, dass diese Band das Talent zu instrumentalen Ausweitungen mancher Songs hat, die fast schon in Richtung Noise gehen oder auch dass "The Ballad Of Mr. Steak" ganz hervorragend zum Tanzen geeignet ist. Letzteres demonstriert Ishibashi dann auch sehr euphorisch selber – ganz allgemein hat man manchmal das Gefühl, er habe seine Geigenparts auf dem Zweitalbum "Lighght" etwas reduziert, damit nicht nur das Publikum bei seinen Songs hin und wieder wild herumhüpfen darf.

Gerade in solchen Momenten übernimmt dann gerne besagter E-Banjospieler das Kommando, der sein Instrument auch zur Percussion oder (mit Hilfe von Effektreglern) als Bass zu spielen weiß. Dass er damit sogar ganz alleine ein Publikum mitreißen kann, zeigte er zuvor bereits als Opening Act unter dem Namen Tall Tall Trees, bei dem er seinen Sound nur noch durch Loopen seines Instruments sowie die Effekte einer Spielzeug-Laserpistole erweitert. Wenn er damit nicht die Hauptattraktion in den Schatten stellte, dann zumindest die zweite Vorband Beaty Heart – auch wenn sich deren Vampire-Weekend-Gedenk-Sound zumindest für ein, zwei veritable kleine Hits verantwortlich zeichnen konnte.

Als Teil von Kishi Bashi jedoch harmoniert die Vielseitigkeit von Tall Tall Trees' Instrument dann auf beeindruckende Art und Weise mit Kaoru Ishibashis Virtuosität an der Geige und seinem Gesang, so dass der 75-minütige Auftritt dann auch wie im Flug vorbeigeht. Gerade weil "Lighght" das Debüt "151a" sogar noch toppt, hofft man dann auch auf ein baldiges Encore – falls Ishibashi auch diesmal den Reeperbahnbesuch nach dem Auftritt überlebt, der ihn laut eigener Aussage nach seiner Show in der Band von Regina Spektor fast umgebracht hätte. Aber wer als Geiger so eine souveräne Show in einem Schuppen ablegt, der sich Rock Café nennt – dem dürfte die wilde Meile eigentlich nichts anhaben.

Jan Martens

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Rezension zu "Lighght" (2014)
Rezension zu "151a" (2013)

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