Konzertbericht

Hælos


Oftmals fragt man sich ja, auf welchen Wegen Künstler X oder Band Y so groß und berühmt werden konnten – und manchmal liegt genau das Gegenteil vor – wie um alles in der Welt kann es sein, dass diese Musik nicht durchschlägt? Hælos aus London sind so ein Fall für letzteres. Ihr 2016 veröffentlichtes Debüt "Full Circle" hätte wunderbar in den Trend zurückgenommener, dennoch IDM-tanzflächentauglicher Alben im Fahrwasser von The XX, James Blake oder London Grammar gepasst – ohne wie eine Kopie dieser zu klingen. Der Nachfolger "Any Random Kindness" erschien dieses Jahr und bestätigt die hohe Qualität der Briten. Live treten sie nur selten auf, dieser Donnerstag, der 10.10., bietet eine der wenigen Gelegenheiten.

Auf der aktuellen Tour bespielen Hælos die kleineren Locations der größeren Städte. So auch an diesem Abend in Berlin. Zwar ist der Frannz Club schlussendlich ausverkauft, dennoch sind es vom Eingang zur Bühne nur wenige Meter Raum, der zudem von einigen Säulen durchzogen ist. Im kleinen Frannz Club sind die Künstler nahbar, eine Distanz existiert quasi nicht und dennoch könnte es ruhig eine Nummer größer sein. Zum einen verlangt der Sound des Quartetts es quasi. Diese Mischung aus Dream-Pop, TripHop und großen Gesten gehört einfach in eine klare, ballernde Anlage. Wer einmal The XX mit Spiellaune auf einer großen Festivalbühne gesehen hat, weiß, dass das klappen kann. Zum anderen ist es im Frannz halt wirklich voll, wenn es voll ist. Die mittig platzierten Säulen tragen ihr übriges dazu bei, dass man sich als Teil einer quasi zusammengedrückten Maße fühlt, um nicht nur hören, sondern auch sehen zu können.

Nachdem Jackie Charles und Teme den Abend eröffnen dürfen, ist es dann viertel vor zehn, ehe Hælos die kleinen Bretter des Frannz betreten. Zunächst ist jedoch insbesondere von Lotti Benardout am Mikrofon überhaupt nichts zu hören. Etwa zwei Minuten später ist auch dieses Problem gelöst und weitere zwei Minuten später sind die Anwesenden kaum noch zu halten. Die Band versprüht eine derartige Freude auf der Bühne, dass es nur kurz dauert, ehe ein Großteil des Publikums probiert, der Enge zu trotzen und sich irgendwie mitzubewegen, was auch daran liegen mag, dass der Fokus dieses Auftrittes mehr auf dem ersten Album liegt.

Selten erlebt man Auftritte, bei denen die Künstler derart Bock am Spielen haben, wie Hælos an diesem Abend. Die eine Stunde, in der die Londoner auf der Bühne stehen, vergeht wie im Flug, wird aber sicher noch Monate im Kopf bleiben. Eigentlich müssen Hælos mit einer solchen Einstellung größere Kreise ziehen, hoffentlich schon auf ihrer bald folgenden nächsten Tour.

Klaus Porst

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Rezension zu "Full Circle" (2016)

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