Konzertbericht

EZ3kiel


Als Band eine Art Heimspiel in einer Stadt zu haben, ist fast immer ein Vorteil. Es kommen mehr Leute, die Texte sitzen sicher und man sieht möglicherweise alte Bekannte wieder. So gesehen hatten EZ3kiel in der Berliner Maria so etwas wie ein Heimspiel. Jedoch eine vierstellige Anzahl an Kilometern von ihrem Ursprungsort entfernt, denn unter den geschätzten 200 Menschen, die sich zum Konzert aufgemacht hatten, waren nur eine Handvoll, deren Pass nicht in Frankreich ausgestellt wurde. Geladen hat das Maria – wie immer zu sehr später Stunde – zu einer Labelnacht des französischen Dubstep/Elektro-Labels Jarring Effects. Mit dabei zusätzlich: Brain Damage, Zôl und diverse DJs.

Als Überraschung des Abends spielt der Headliner, nämlich EZ3kiel, zuerst. Mag an der späten Uhrzeit liegen – gegen Mitternacht beginnt die Show erst. Was soll man zu der Darbietung sagen? Nun, es ist ein typisches Konzert der Sorte: Niemand will mit, aber wenn man später davon erzählt und Videos auftauchen, bereuen alle, wieder einmal den Abend aus Faulheit daheim herumgesessen zu haben. Die Clubbühne ist zwar sehr klein, wird aber von der Band so ausgenutzt, dass Größe keine Rolle mehr spielt und das Dargebotene locker in einer Liga mit Nine Inch Nails, Tool oder Sigur Rós spielt. Anfangs noch spärlich, mit einem einzelnen Startbild versehen, entwickelt sich die auf Leinwand projizierte Visualisierung zur Musik als so einnehmend, dass die Band an sich völlig in den Hintergrund gerät.

Höhepunkt ist sicherlich die Darstellung zum Song "Break Or Die", zu dieser hier unbedingt auf Youtube verwiesen werden soll, um sich dieses "etwas" anzuschauen. Eine krakenartige Roboterkonstruktion mit sehr vielen Armen, die ruckartig auf Schläge der zwei (!) Schlagzeuger zu reagieren scheint, zieht eine gefühlte Ewigkeit jeden Zuschauer in den Bann, zumal die Band auch noch Spaß daran hat, mit ihrer "Erfindung" im Hintergrund draufloszujammen. Als Gegenstück zu jenem steht "The Wedding", ebenfalls vom aktuellen Album "Battlefield", welches elegant-bedächtig wandelnde Innenansichten eines Konzerthauses mit sich führt.

EZ3kiel verstehen es, ihr Publikum in ruhigen Momenten zu unterhalten, um Zeit zum Luftholen zu geben, dann jedoch wieder mit sehr melodischen, intensive Bewegung erforderlich machenden oder knallharten Stücken wachzureißen. So sei hier noch das anfangs sehr ruhige "Volfoni's Revenge" genannt, an dessen Ende ein alleszerstörender Basslauf wahre Lärmorgien verbreitet. Neben sehr vielen Stücken vom neuen Album finden sich auch die für Kenner größten "Klassiker" der vier Franzosen auf der Setlist: "Versus", "Strange Days" oder "Via Continuum".

Die weiteren Künstler und Bands des Abends bieten vor allem Dubstep in bekannten Variationen, können aber nach so einer Show kaum noch Wirkung erzielen, weswegen der Großteil des Publikums sich bereits vor jenen entschließt, den Heimweg anzutreten. Es sei jedem nur angeraten, sich den Tag, an dem EZ3kiel das nächste Mal einen Abstecher nach Deutschland macht, dick und rot im Kalender zu markieren.

Klaus Porst

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Rezension zu "Lux" (2014)
Rezension zu "Battlefield" (2009)

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