Konzertbericht

Ben Howard


Ben Howard geht mit seinem Album "Every Kingdom" auf Europatour. Die Konzertsäle sind ausverkauft und die Fans lieben ihn. Mit einer ansteckenden Leidenschaft für Musik verzaubert der Brite sein Kölner Publikum, das ihn gar nicht mehr gehen lassen möchte. Leider nimmt der Abend für den Sänger ein unschönes Ende...

Mit spärlichem Applaus wird Richard Thomas auf der Bühne begrüßt – es ist deutlich zu spüren, dass dies der Mann ist, der das Konzert eröffnet. Als er jedoch die ersten Töne anspielt, verstummt das Publikum. Seine Stimme ist durchdringend und ergreifend, voller Hoffnung und Melancholie, dass man Gänsehaut kriegt. Der Brite ist Sänger der Band "Brother & Bones", tritt heute jedoch alleine auf und bereitet das Publikum auf einen Hochgenuss vor: Ben Howard.

Nach ein paar weiteren Songs ist es dann soweit – er ist da, mit seiner Gitarre bewaffnet und Bassistin und Drummer im Schlepptau, betritt Ben Howard die Bühne und verzaubert seine Fans vom ersten Lied an. Alle sind aus dem Häuschen und es wird mitgesungen, was das Zeug hält, egal ob man den Text kennt oder nicht. Die Leidenschaft, mit der der Engländer seine Songs präsentiert, ist ansteckend und wird mit tosendem Applaus belohnt. Er spielt und singt und erfreut sich seines glücklichen Publikums. Ab und zu dann ein wenig Smalltalk, bei dem er sich für unser Erscheinen bedankt, er hofft, sich mit dem Geld bald einen vernünftigen Tourbus kaufen zu können. Die Stimmung im ausverkauften Luxor könnte nicht besser sein, bei dem Lied "Only Love" wird so laut mitgesungen, dass man Ben Howard schon fast nicht mehr hören kann. Er ist sichtlich erfreut über soviel Unterstützung und lächelt seinen Bandkollegen einmal mehr glücklich zu. Zum Schluss gibt's noch einen kräftigen Applaus und eine Zugabe, gefolgt von einer kleinen Autogrammstunde. Der Abend war also ein voller Erfolg, bis dahin...

Wie man am nächsten Tag auf Ben Howards Facebook-Seite lesen kann, hatte er genauso viel Spaß bei dem Konzert wie seine Fans. Leider hat er danach wohl eine schlechte Erfahrung mit der kölschen Gastfreundschaft in einer Bar gemacht. Er erklärt in einem Kommentar, dass er nie wieder nach Köln zurückkommen möchte, da manche Menschen wohl noch im Jahre 1939 leben. Ausgeschmückt ist das ganze mit ein paar unschönen Beschimpfungen seinerseits. Was genau in dieser Bar passiert ist, erwähnt er jedoch nicht. Die Reaktionen auf den Kommentar sind enorm. Manche Kölner entschuldigen sich, können es jedoch meist nicht nachvollziehen, da Köln als sehr tolerante, liberale Multi-Kulti-Stadt bekannt ist. Fans aus anderen Teilen der Welt laden den Sänger ein, in ihr Land zu kommen, da dort angeblich kein Rassismus vorkomme.

Plötzlich ist Ben Howards Kommentar gelöscht und durch einen Neuen ersetzt: "Sorry to delete my last post but reading it made me feel pretty negative. Glad we're all in the same boat, but sorry to rant so wildly. Pissed me OFF!!! We'll be back to cologne for sure because it's really got nothing to do with the very very vast majority. Peace and love, peas and dub and thank you for so many interesting posts. X". Es ist weiterhin ungeklärt, was genau an dem Abend in der Bar passiert ist. Sicher ist jedoch, dass dieses schöne Konzert in der Erinnerung einen bitteren Beigeschmack hat. Schade.

Claudia Engelen

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