Konzertbericht

Beirut


Beirut um Mastermind Zach Condon spielen selten und wenig in Europa. Die diesjährige Tour zur neuen Platte "No No No" führt sie nur in wenige Städte, die einzige deutsche davon ist Berlin.

Warum die Band jedes Mal ausgerechnet in der schrecklichen Columbiahalle spielt, ist ein Rätsel, das sich hoffentlich irgendwann abschaffen wird. Zum Beispiel Amsterdam wurde in den Vortagen mit zwei Konzerten im wunderschönen Paradiso beglückt, hätten Beirut in Berlin zwei Konzerte etwa im Heimathafen Neukölln gespielt, das Einzelerlebnis wäre ein ganz anderes gewesen.

Denn der bis in den letzten Winkel vollgestopfte Betonbunker Columbiahalle, dessen Sound viel zu leise ist, ist einfach nicht der Raum, den die Klänge Beiruts benötigen. Beirut sind eine Band, die über ein Gemeinschaftsgefühl läuft, eine Interaktion zwischen Musikern und Publikum, die die Songs weitertragen und noch größer werden lassen, als sie ohnehin sind. Somit gibt es richtig gute Beirutkonzerte, unvergessliche Gemeinschaftserlebnisse, kollektives Schwelgen in der Musik. Es gibt aber auch die Konzerte, die nur gut sind. Das Konzert in Berlin ist eines davon: Das verhaltene Publikum in der Columbiahalle lässt den Funken nicht wirklich überschwappen und die sechsköpfige Band, die auf der Tour zur mittlerweile vierten Platte sehr aufgeräumt wirkt, gibt ihm auch keinen allzugroßen Anstoß.

Im Verlaufe des Konzertes zeigt sich, welch glasklare Popmusik die Band mittlerweile macht. Live wird diese sehr geordnet und souverän vorgetragen. Ekstatische Ausbruchsmomente, Höhen und Tiefen gibt es nur bei den eingestreuten älteren Songs. Klare Highlights bilden hierbei "Nantes", "Postcards From Italy" und "Elephant Gun". Klar ist das Konzert gut, und natürlich geht es mit einem Lächeln nach Hause, allein schon weil es schön ist, Zach Condon fröhlich und entspannt auf der Bühne zu sehen, nach all den Kämpfen, die er durchlitten hat. Aber unter anderen Umständen hätte es viel ausgelassener und unvergesslich werden können.

Daniel Waldhuber

Lesen


Rezension zu "Gallipoli" (2019)
Rezension zu "No No No" (2015)
Rezension zu "The Rip Tide" (2011)
Rezension zu "March Of The Zapotec/Realpeople: Holland" (2009)
Rezension zu "The Flying Club Cup" (2007)
Rezension zu "Gulag Orkestar" (2006)
Interview (2010)

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.