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UNSERE ALBEN DES JAHRES 2006
1
TV ON THE RADIO
Return To Cookie Mountain
Jedem fanatischen Musikhörer fällt es schwer, am Ende des Jahres zu entscheiden, welches Album den ersten Platz auf der Liste aller Listen verdient hat. Der Kopf sagt dies, das Herz das und auch der Bauch redet gerne mal ein Wörtchen mit. Da war es schon überraschend, wie eindeutig die Entscheidung ausfiel: Die meisten Herzen schlugen bei "Return To Cookie Mountain" besonders heftig, und der Kopf war beeindruckt von diesem Feuerwerk an Ideen, das obendrein auch noch zum Tanzen einlud. So ward ganz ohne Bauchentscheidung das große Meisterwerk gefunden, auf das sich die gesamte Redaktion einigen konnte, wenn es hieß: Dies, verehrte Leserinnen und Leser, ist das Album des Jahres 2006.
2
TWO GALLANTS
What The Toll Tells
Vielleicht merkten die Verantwortlichen bei Saddle Creek eines Tages, dass sie sich nicht weiter auf Künstler aus Omaha beschränken konnten, wenn sie weiterhin regelmäßig großartige Platten veröffentlichen wollten. Glücklicherweise fand sich mit den Two Gallants eine Band, die genau so eine großartige Platte in der Tasche hatte. Die zwei jungen Herren aus San Francisco zeigten auf ihrem Album, dass sie wahre Meister ihres Fachs sind. Nur welches Fachs bloß? Blues, Folk, Country, Punkrock, Balladen – alles drin. Und alles toll.
3
CLAP YOUR HANDS SAY YEAH
Clap Your Hands Say Yeah
Marketing-Phänomen, Nummer eins: 25.000 von der Band selbst verschickte Exemplare waren nötig, bevor sich ein Vertrieb ihres selbstbetitelten und eigens produzierten Debütalbums annahm und ihnen half, fast ein Jahr nach der ursprünglichen Veröffentlichung auch die europäische Musikwelt im Sturm zu nehmen. Mit solchen Songs kein Problem: Allen voran "The Skin Of My Yellow Country Teeth" war anno 2006 der Song zum glücklichen Herumhüpfen schlechthin.
4
THOM YORKE
The Eraser
Radiohead. Solo. Elektronik. Das sind wohl die drei Dinge, an die jeder sofort denkt, wenn er dieses schwarz-weiße Cover mit dem kleinen Mann unten links, der vielleicht "The Eraser" höchstpersönlich ist, sieht. Thom Yorke war das schon immer klar:
We think the same things at the same time.
Auch wir sind uns einig: Dies war nicht nur das beeindruckendste Soloprojekt, sondern gleichzeitig das beste Elektronik-Album der letzten zwölf Monate.
5
JOANNA NEWSOM
Ys
Die Zeichen standen von Anfang an gut. Man hörte, auf ihrem zweiten Album sollten Joanna Newsoms Gesang und Harfenspiel von Steve Albini aufgenommen werden und Van Dyke Parks werde sich ausdenken, wie ein Orchester die Musik nochmal verschönern könne. Im ersten Moment war man über das Ergebnis einfach verwundert. Fünf Lieder in 55 Minuten? Doch schnell merkte man, dass das als Album funktionierte. Und "funktionieren" ist eines dieser zahllosen Wörter, die mit der Magie von "Ys" mal eben gar nichts zu tun haben. Die besten Worte fand Joanna Newsom natürlich selbst, und die Redaktion singt mit:
We could stand for a century, staring at this thing.
6
KANTE
Die Tiere Sind Unruhig
Von wiederauferstandenen Zombis zu unruhigen Tieren: Das Hamburger Quintett entschied sich für mehr RpS (Rock pro Sekunde) und zeigte Fans und Kritikern, wo der Hammel hängt. Solche Plattitüden kamen Peter Thiessen natürlich nicht in den Sinn, als er sich hinsetzte, um diesem Nashorn von Tier-Album (weil: groß, stampfend und mit Horn) die entsprechenden Texte zu verpassen. Oder er verwarf sie glücklicherweise schneller als seine Ex-Kollegen von Blumfeld – die es als kleinen Denkzettel für ihren "Apfelmann" nicht in die Charts geschafft haben. Trotzdem ein Hoch auf Hamburg!
7
WOLFMOTHER
Wolfmother
Das ganze Jahr fand man keine Band, die mehr in den wilden Siebzigern verwurzelt als Wolfmother, und nirgendwo waren die Referenzen eindeutiger zu bestimmen: Led Zeppelin, Black Sabbath, ein bisschen Deep Purple – und alle, die es hörten, staunten. Was die drei Australier auf Platte und vor allem im Konzert veranstalteten, war keine Frechheit. Sondern die vielleicht beste Kopie, seit es Retro-Rock gibt.
8
GUILLEMOTS
Through The Windowpane
Fyfe (was für ein Vorname!) Dangerfield lieferte im vergangenen Musikjahr mit seiner Band Guillemots gleich zwei Meisterstücke ab: Zunächst die EP "From The Cliffs", dann das Album "Through The Windowpane", in Deutschland leider beinahe unbemerkt veröffentlicht, wodurch es zum größten Geheimtipp des Jahres wurde. Schade, denn spurlos ging dieses Album sicherlich an niemandem, der es aufmerksam hörte, vorbei. Wie ein Traum, und wenn er vorbei war, steckte man immer noch drin. Die Musik angemessen zu beschreiben ist hoffnungslos, denn wie heißt es so schön im Titelstück:
Words can't express what it means.
Fyfe Dangerfield ist übrigens ein Künstlername.
9
THE STROKES
First Impressions Of Earth
Die schlechte Nachricht zu Beginn: Das dritte Album der Strokes ist auch nach einem Jahr Hören kein Meilenstein der Marke "Is This It". Aber wäre es nicht zu einfach, an dieser Stelle über die Entwicklung der Strokes und die beiden Vorgänger dieses rundum gelungenen Drittwerks zu philosophieren? Ist die eigentliche Frage nicht vielmehr: Wozu philosophisch werden, wenn "First Impressions Of Earth" rundum gelungen ist? Ob Tanzflächenfüller à la "Juicebox" oder die erste Ballade der Band, "Ask Me Anything", Casablancas und Co. scherten sich kaum um Erwartungshaltungen und machten das Bestmögliche aus der Situation. Die gute Nachricht zum Schluss: Das war verdammt viel.
10
DAMIEN RICE
9
Wo wir gerade bei Erwartungshaltungen sind, gab es mit Damien Rice gleich noch einen Kandidaten, der nur enttäuschen konnte. Da war es in höchstem Maße erfreulich, auf welch hohem Niveau er dies tat. Mit "9 Crimes" schrieb er mal eben einen der besten Songs des Jahres und "Accidental Babies" donnerte nur so vor Geistesblitzen. Nur ungern nimmt man in so einem Fall das Wort "Enttäuschung" in den Mund.
11
ARCTIC MONKEYS
Whatever People Say I Am, That's What I'm Not
Marketing-Phänomen, Nummer zwei: Die Geschichte kennt wahrscheinlich jeder. Demos werden als mp3s im Internet zu Hits, britische Kids drehen durch, Presse flippt aus, Band wird groß. Was bleibt am Ende des Jahres übrig? Ein überzeugendes Album, das all diese Hits vereint. Der wichtigste natürlich "I Bet You Look Good On The Dancefloor".
12
MOGWAI
Mr. Beast
Mogwai aus Schottland lieferten ein Album ab, das nur knapp am Instrumental-Genre vorbeischrammte. Das berühmte Laut-Leise-Spiel hatten sie schon auf den Vorgängern perfektioniert, sodass sie sich diesmal auch an Songs wagten, die nur eines von beidem waren. Und dabei wie immer vor allem: wunderschön.
13
THE FLAMING LIPS
At War With The Mystics
Dass Wayne Coyne ein Genie sein muss, war schon vor der Veröffentlichung des neuen Albums der Flaming Lips klar. Umso schöner, dass die Band erneut zeigte, wie bunt, ironisch, romantisch und fantastisch die Welt in ihren Köpfen ist. Dass die Videos zu den Singles ebenfalls vor guten Ideen explodierten, sei nur eine Randnotiz.
14
MORRISSEY
Ringleader Of The Tormentors
Schon gewusst, dass Morrissey der Sänger von den Smiths war? Natürlich. Etwas überraschender kam da für viele der Nachfolger von "You Are The Quarry", der nicht an dessen Klasse heranreichte und trotzdem auf ganzer Linie überzeugte. Bei Morrissey musste man sich neuerdings auch mal mit einem "nur" guten Album zufrieden geben.
15
ED HARCOURT
The Beautiful Lie
Fans von Singer/Songwriter der Extraklasse, aufgepasst! Denn "The Beautiful Lie" hatte alles, was zu einem perfekten Album des Genres gehört: verboten gute Songs, eine geniale Produktion und obendrein herausragende Texte. "Good Friends Are Hard To Find"? Stimmt nicht immer – in Ed Harcourt konnte jeder Hörer einen finden.
16
VOLTAIRE
Heute Ist Jeder Tag
Kaum zu glauben, dass es sich hierbei um das Debüt von Voltaire handelte. Manch einem kam die Musik beim ersten Hören vielleicht zu sanft und poppig vor, doch spätestens nach einem halben Jahr war klar, dass man es hier mit einem der besten deutschsprachigen Alben seit langer Zeit zu tun hatte, das auf der einen Seite tatsächlich Pop, auf der anderen aber auch noch so viel mehr war.
17
THE THERMALS
The Body, The Blood, The Machine
Nach den ersten beiden Alben der Thermals wurden sich die Fans nie einig, welches das beste Werk der Band sei. Zum Glück kam im September das dritte Album, und die Frage war geklärt: Selbst wer die Lo-Fi-Produktion der Vorgänger liebte, musste zugeben, dass dieses Klanggewand den Songs des Trios aus Portland noch viel besser stand. Die Texte: Jetzt mit 19 % politischer Botschaft!
18
BUILT TO SPILL
You In Reverse
Die alten Indie-Rocker von Built To Spill ließen sich fünf Jahre Zeit, bevor sie mit "You In Reverse" einen mehr als würdigen Nachfolger des eher enttäuschenden "Ancient Melodies Of The Future" veröffentlichten, der vor allem die Fans ihres Frühwerks begeisterte. Zurück zu den Wurzeln war die Devise, und so entstand eine weitere Perle in ihrer beeindruckenden Diskografie.
19
HOT CHIP
The Warning
Angenommen, jemand hätte im Verlauf des Jahres eine statistische Untersuchung von hundert DJ-Koffern durchgeführt, ihm wären vermutlich mindestens neunzig Hot-Chip-Singles begegnet. Der elektro-infizierte Indie-Pop der Singles "Boy From School" und vor allem "Over And Over" machte Hot Chip zur meistgefragten Band in fast allen (guten) Discos. Und es kam noch besser: Das dazugehörige Album war ebenfalls klasse.
20
KLEZ.E
Flimmern
Wer behauptet, dass die deutsche Musiklandschaft 2006 enttäuscht hat, kriegt eins auf die Mütze! Und gleich noch Kopfhörer aufgesetzt, aus denen das ganz und gar wunderbare "Flimmern" von Klez.E schallt. Der ewige Konkurrenzkampf zwischen Hamburg und Berlin geht in eine neue Runde.
21
THURSDAY
A City By The Light Divided
Ein Emocore-Album, das von Dave Fridmann (The Flaming Lips, Mogwai) produziert wurde? Und inhaltlich auf ein Gedicht von Octavio Paz zurückging? Und obendrein verdammt gut war? Das vergangene Jahr hatte schon tolle Sachen zu bieten.
22
...AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD
So Divided
Die Zeitschrift mit regelmäßigen musikalischen Visionen kann es sich noch so sehr wünschen: "So Divided" war einfach nicht so gut wie seine Vorgänger. Natürlich, gegen die Großtat "Wasted State Of Mind" oder die fantastische Guided-By-Voices-Coverversion "Gold Heart Mountain Top Queen Directory" konnte man nichts sagen, doch die gefühlte Qualität eines Albums wird nunmal zum Großteil durch den Vergleich mit den Erwartungen bestimmt.
23
SAY ANYTHING
...Is A Real Boy
Bei "...Is A Real Boy" handelte es sich um ein Album, das so verrückt war, dass man sich erstmal daran gewöhnen musste: Die nur im ersten Moment dämlich wirkenden Texte, die nur im ersten Moment einfältig wirkenden Songs und der jedes Mal aufs Neue völlig durchgedreht wirkende Sänger ergaben zusammen musikalische Unterhaltung auf höchstem Niveau.
24
RED HOT CHILI PEPPERS
Stadium Arcadium
Der Eindruck, dass die Chili Peppers ohne John Frusciante musikalisch wesentlich uninteressanter wären, wurde erneut bestätigt: Man mochte sich kaum vorstellen, wie das Album ohne ihn geklungen hätte. Und das mit dem Doppelalbum wäre eigentlich auch nicht nötig gewesen.
25
BLOOD BROTHERS
Young Machetes
Was tun, wenn viele Fans von der jüngsten musikalischen Veränderung enttäuscht sind? Andere wiederum schwer begeistert? Das sind zwei Fragen, die sich die Blood Brothers wohl nicht gestellt haben. Trotzdem klang "Young Machetes" wie eine Mischung aus seinen Vorgängern, wenn auch mit zahlreichen neuen Akzenten. Und, aber das versteht sich bei den Blutsbrüdern ja von selbst, das Album war in jeder Sekunde sehr gut.
26
DEICHKIND
Aufstand Im Schlaraffenland
Wie heißt die Band, die die Party rockt? Neuerdings bevorzugt im Schlaraffenland? Was soll man darüber noch groß Worte verlieren – ihr wisst es doch schon längst.
27
BEIRUT
Gulag Orkestar
Es gab ein paar Platten, die man einfach kennen musste, wenn man mitreden wollte, und "Gulag Orkestar" gehörte dazu: Weil jeder gerne über diesen zwanzigjährigen Amerikaner und seine Musik sprach, für die er in Europa Inspiration fand, die so fremd klang und die jeder, der ein paar Töne gehört hatte, näher kennenlernen wollte. Man wurde belohnt.
28
JUNIOR BOYS
So This Is Goodbye
Für alle, die schon länger keine Zeit mehr gefunden hatten, davonzuschweben, oder einfach keinen Anlass dafür sahen, kamen die Junior Boys gerade recht. Ihr stark an die Pop-Helden der Achtziger erinnernder Sound kombiniert mit diesen träumerischen Melodien und Texten vollbrachte etwas, das sonst nur wenige schafften: Der Zuhörer vergaß den grauen Alltag für fast fünfzig Minuten.
29
GNARLS BARKLEY
St. Elsewhere
Wenn Gnarls Barkley lief, sah man "Smiley Faces" überall. Die Leute wurden "Crazy", tanzten mit dem "Boogie Monster" und verdrückten eine Träne, wenn es viel zu schnell "The Last Time" hieß. Die Antwort auf die Frage "Who Cares?" war schnell gefunden: Jeder.
30
THE WORLD/INFERNO FRIENDSHIP SOCIETY
Red-Eyed Soul
Man lernt nie aus. "Red-Eyed Soul" zum Beispiel, dieses bizarrcharmante Ska-Rock'n'Roll-Orchesterpunk-Prunkstück der New Yorker Neun-Mann-Kombo, suchte man im Sortiment der großen (Versand-)Händler vergeblich. Wer bizarrcharmanten Ska-Rock'n'Roll-Orchesterpunk mag, sollte jetzt wahrscheinlich schnell zum Plattenladen seines Vertrauens rennen.
31
CURSIVE
Happy Hollow
Tim Kasher musste sich nach "The Ugly Organ" und dem "Album Of The Year" von seiner zweiten Band The Good Life schon einiges einfallen lassen, um diese tollen Platten nochmal zu toppen. Zweifelsohne kam beim Versuch ein Album heraus, das dem Saddle-Creek-Label alle Ehre machte. Nur besser als die beiden anderen, das war es nicht.
32
THE WHITEST BOY ALIVE
Dreams
Was passiert, wenn ein Gutmensch wie Erlend Øye merkt, dass er Lust auf was anderes hat? Er macht die gleiche Musik, nur mit anderen Leuten. Gute Musik, versteht sich. Dieses Album erinnerte kaum an die Kings Of Convenience, doch immer an Erlend Øye. Einfach schön.
33
PENDIKEL
Don't Cry, Mondgesicht
Das Album von Pendikel hätte es schwer gehabt, unter den vielen starken deutschen Platten hervorzustechen, wäre da nicht diese stilistische Vielfalt gewesen, bei der kaum eine der anderen Bands mithalten konnte. Prädikat: Hörenswert!
34
THE KILLERS
Sam's Town
Die Killers zählen definitiv zu den größten Füchsen, wenn es darum geht, Singles auszuwählen: "When You Were Young" war objektiv betrachtet natürlich die beste Wahl, der musikalische und kommerzielle Erfolg wurden elegant verbunden, bloß: Wer sollte nach so einer Single nicht vom Album enttäuscht sein? Ein gutes Zweitwerk war es trotzdem.
35
MIDLAKE
The Trials Of Van Occupanther
Wenn man als Vorband der Flaming Lips auftreten darf, hat das seine Vor- und Nachteile. Klarer Vorteil: Viele Menschen mit gutem Musikgeschmack hören zu. Klarer Nachteil: Diese Menschen wollen vor allem die Flaming Lips sehen, und gegen die kann man im Konzert bekanntermaßen nicht viel ausrichten. Da war es gut, dass Midlake Musik spielten, die viele Flaming-Lips-Fans entzückte.
36
THE RIFLES
No Love Lost
Wer The Rifles mag, mag bestimmt The Jam. Und Oasis. Ob das auch umgekehrt gilt? Jedenfalls taten die Rifles auf ihrem Debüt alles in ihrer Macht stehende, um nach The Jam zu klingen. Und nach Oasis. So waschechten Britpop gab es lange nicht mehr. "No Love Lost"? Nichts geht verloren.
37
ARCHIVE
Lights
Wieso werden Musiker so oft von Lichtern inspiriert? Im besten Fall zu Großtaten wie dem Titelstück der neuesten Archive-Platte? Im Interview verriet Danny Griffiths, dass es in besagtem Stück unter anderem um den Tod ginge. Das Licht am Ende des Tunnels also? Es scheint so.
Turn my head. Off. Forever.
38
BECK
The Information
Das Coverartwork zum Selberaufkleben war sicherlich eine der feinsten gestalterischen Ideen des ganzen Jahres, und die Musik dazu schindete ebenfalls Eindruck: Zwar kein kompletter Stilwechsel, wie man es von Beck Hansen früher mal erwartet hätte, dafür angenehm abwechslungsreich.
39
THE SPINTO BAND
Nice And Nicely Done
Man könnte sie als die weniger gefeierten Clap Your Hands Say Yeah mit beinahe genauso guten Songs bezeichnen, und man hätte wahrscheinlich sogar Recht. Nur, dass die Spinto Band dann doch etwas mehr ist als eine Band, die so ist wie eine andere Band. Die sechs Herren aus North Carolina verstehen ihr Handwerk. "Nice And Nicely Done" halt.
40
¡FORWARD, RUSSIA!
Give Me A Wall
Dass es sich bei "Give Me A Wall" um Krawallindie handelte, der gar nicht mal schlecht war, sei jetzt mal kurz Nebensache, denn: Die nennen ihre Songs "Twelve", "Eighteen", "Thirteen" oder "Fifteen Pt. 2"? Hallo? Wie alt sind die denn bitte? "Fourteen" wahrscheinlich.
41
THE HORROR THE HORROR
The Horror The Horror
Fünf Schweden machten auf ihrem Debüt Musik, die nach den Strokes und noch mehr nach Television klang. Ähnlich einfach wie diese Beschreibung war die Musik gestrickt, und trotzdem (oder gerade deswegen) wusste sie, zu gefallen. Es bereitete viel Spaß, The Horror The Horror zuzuhören, weil sie mit Ohrwurmmelodien förmlich um sich warfen. Ein Album zum Wohlfühlen.
42
SOMETREE
Bending The Willow
Als man begann, zu realisieren, dass es bis zum Ende des Jahres kein neues Radiohead-Album mehr geben würde, kam "Bending The Willow". Genau zum richtigen Zeitpunkt also. Und welch eine Eröffnung! "Whatever Makes You Sleep", dann "Hands And Arrows". Man kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, bis die Platte vorbei war.
43
PETER BJORN AND JOHN
Writer's Block
Die Liebe zur Band begann wohl bei fast jedem mit "Young Folks", jenem Sommerhit zum Mitpfeifen, der auch im Winter nicht aufhörte, schön zu sein. Das Album, dem dieses Lied entsprang, hatte noch einiges ähnlich schönes zu bieten.
44
PHOENIX
It's Never Been Like That
Die neueste Platte von Phoenix wurde von vielen unterschätzt, und man kann das verstehen. Besonders aufregend war an ihr eigentlich nichts, abgesehen davon, wie unaufgeregt die Franzosen einen großen Pop-Song nach dem anderen ablieferten. Und das war dann ehrlich gesagt doch: ziemlich aufregend.
45
THE RACONTEURS
Broken Boy Soldiers
Zyniker bezeichneten das Album als "Steady As She Goes" plus B-Seiten-Kollektion. Wir wissen: Zyniker sind eigentlich nichts anderes als versteckte Sarkastiker, die eine schlimme Kindheit hatten. Und die Raconteurs sind eigentlich nichts anderes als Jack White und ein bisschen Brendan Benson und ein bisschen Hilfsmusiker, die eine nette Platte gemacht haben.
46
BELLE & SEBASTIAN
The Life Pursuit
An sonnigen Tagen bot es sich an, das neueste Werk von Belle & Sebastian zu hören. Wer's nicht glaubt, gucke sich bitte die Songtitel an: "Another Sunny Day". "Song For Sunshine". Noch Fragen?
47
JUSTINE ELECTRA
Soft Rock
Zahlenmäßig etwas unterrepräsentiert sind in dieser Liste zugegebenermaßen die Musikerinnen, die 2006 doch einiges wundervolles zu Stande brachten. Justine Electra ist so freundlich, an dieser Stelle Platz für ein paar Namen bereitzustellen: Cat Power, Anna Ternheim, Regina Spektor, Pretty Girls Make Graves (bei letzteren zumindest die singenden 2/5) und natürlich die Scissor Sisters.
48
SUFJAN STEVENS
The Avalanche
Einen weiteren Beweis für die These, dass es Sufjan Stevens nicht wirklich darum geht, sein 50-Staaten-Projekt zu vollenden, lieferte er mal wieder selbst mit "The Avalanche" ab. Unglaublich, was Stevens jedes Mal aus dem Baseballcap zaubert.
49
BAND OF HORSES
Everything All The Time
Gegen Ende der Liste gibt es also nochmal eine ordentliche Portion Indie. "Everything All The Time" war ein Album voller erstklassiger Lieder, allen voran "The Funeral", das bei jedem Hören Glücksgefühle weckte. Typisch Sub Pop.
50
MY MORNING JACKET
Z
Es ist eine tolle Sache, wenn man den letzten Platz der Jahresbestenliste sieht, und feststellt, dass es sich dabei um ein weiteres Meisterwerk handelt. My Morning Jacket aus Louisville erfanden sich auf "Z" ohne Witz selbst neu und kombinierten zahllose neue Einflüsse. Dass sie dann auch noch ein großartiges Live-Album veröffentlichten, war fast schon zu viel des Guten.
Finden
Bye-Bye
Am 5. Januar 2021 haben wir éclat eingestellt. Mehr Infos hierzu gibt es
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