Interview

Abramowicz


Wir treffen Abramowicz vor dem Artheater in Köln, wo sie am Abend ein Konzert im Rahmen der "Get Addicted"-Partyreihe spielen werden. Die Band sitzt versammelt vor dem Laptop und sieht, wie der HSV in letzter Sekunde die Partie gegen den VfB Stuttgart für sich entscheidet. Nur sitzt kein einziger Fan der Hanseaten am Tisch, was den Grundstein für eine angenehme Fragerunde bildet.

Wer ist die Person auf dem Cover der "Generation"-EP?

Sascha: Das ist Wolfgang Gresse, ein Schauspieler aus der DDR, der 1989 verstorben ist und in diversen Filmen und Serien mitgespielt hat. Die Geschichte dahinter liegt aber darin, dass mein Bruder dieses Bild gemalt hat. Als dann irgendwann ein Cover für die EP benötigt wurde, habe ich der Band ein paar Bilder von ihm gezeigt und das ist es dann geworden.

Niki: Auch wegen des Bezugs zum Titel "Generation" fanden wir so einen alten Herren ganz passend.

Was steckt hinter dem Namen Abramowicz?

Sören: Wir berufen uns da auf Marina Abramowicz, eine Künstlerin aus Belgrad, die wegen ihrer Performance-Kunst berühmt ist und daher eine sehr interessante Person für uns darstellt. Wir beziehen uns aber ebenfalls auf den Football-Spieler Danny Abramowicz, seines Zeichens "Wide Receiver" der New Orleans Saints und eine Menge anderer Leute, die diesen Namen tragen und alle irgendwie gut sind.

Wird es in absehbarer Zeit ein Album geben?

Sören: Wir werden im kommenden Frühjahr eine Platte auf Vinyl veröffentlichen mit A- und B-Seite, worauf aber kein Debüt-Album zu finden sein wird, sondern eine neue EP und als Gimmick die aktuelle EP auf der B-Seite. Debüt-Album hat noch ein wenig Zeit, kommt dann aber danach.

Wer nimmt die neue EP auf?

Sascha: Kai Petersen von der Band Rantanplan ist an uns herangetreten, der in unserer Musk etwas gesehen hat und wpo wir bei einer Vorproduktion gemerkt haben, dass es auf Gegenliebe stößt. Es ist uns wichtig, dass es auch persönlich funktioniert mit den Leuten, mit denen wir zusammenarbeiten. Das bezieht sich auch auf unser Label und unsere Booking-Agentur.

Wie entsteht die Musik bei euch?

Sören: In der Regel komm ich mit einer Idee oder nur ein paar Akkorden an und werfe diese in den Proberaum und was dann dabei herauskommt, ist meist was ganz Anderes als das, was ich als Intention reingebracht hatte.

Sascha: Jeder ist aktiv am Songwriting beteiligt, was uns auch sehr wichtig ist. Bis auf die Lyrics, die von Sören kommen, ist jeder gleichberechtigt am Prozess beteiligt.

Was inspriert euch?

Sören: Das müssen nicht immer unbedingt Bands oder Personen sein, das kann alles Mögliche sein, das Leben in einer Großstadt wie Hamburg oder einfach ein Gespräch. Was das Musikalische angeht, ist ein Aspekt, dass alle Mitglieder von Abramowicz unterschiedliche Musik hören und jeder aus einer anderen Richtung kommt und sich aus diesen Perspektiven alle auf den Abramowicz-Sound einigen können.

Wie steht ihr zu der aktuellen Streaming-Debatte?

Finn: Für uns als relativ kleine Band ist es von Vorteil, weil es keine leichtere Plattform gibt, um schnell viele Menschen zu erreichen und für uns eine gute Chance ist, die Musik schnell zugänglich zu machen.

Sören: Ich glaube, das Problem ist immer, dass diese Diskussion an der Grenze zwischen Kapitalismus und der Kehrseite, Wertschätzung von Kunst, liegt und auf der anderen Seite, Musik schnell zugänglich machen zu können. Und eigentlich möchte eine Band beides, auf der einen Seite wertgeschätzt werden und auf der anderen Seite den Leuten leicht ihre Musik präsentieren.

Nils: Ein großes Problem bei dieser Streaming-Debatte ist, dass die vielen Leute das einfach nicht komplett durchblicken, weil es ein komplexes Thema ist und da Zahlen auftauchen, die nicht der Realität entsprechen.

Sören: Man könnte sich auch der Thematik verwehren, aber grundsätzlich sollte man Streaming nicht verteufeln. Natürlich gibt es Pro und Kontra, aber allein schon für Leute, die Streaming konsumieren, ist es super, da es kostenlos ist.

Niki: Für uns ist der Streaming-Dienst gerade sehr sinnvoll, für andere Plattenfirmen, die früher vielleicht mehr Geld auf anderen Kanälen verdient haben, eine große Umstellung, da es ja keinen Weg zurück mehr gibt. Gerade weil es auch rechtlich ok ist. Man müsste noch an einigen Stellschrauben drehen, um die Sache fairer zu machen, gerade für kleinere Bands. Wenn wir jetzt U2 wären und früher viel mehr Geld durch den Verkauf von physischen Tonträgern gemacht hätten, würden wir uns natürlich auch ärgern. Da wir ja aber Abramowicz sind, freuen wir uns, dass sich Zehntausende unsere Tracks anhören und genau darum geht es uns. Wir machen keine Musik, um damit jetzt viel Geld zu verdienen.

Nils: Wir wollen viele Leute erreichen und wenn das über Spotify passiert, dann ist das super.

Wo geht die Reise hin mit Abramowicz?

Sören: Wir wollen den Weg, auf dem wir gerade sind, weiter gehen, größer werden, mehr Konzerte spielen und mal ein Album aufnehmen und schauen, wo die Reise hingeht. Es könnte steil nach oben gehen. Das ist, wofür wir arbeiten.

Warum mögen die Leute euch und eure Musik?

Sascha: Weil es ehrliche Musik ist, handgemachte Musik ist und kein mega Produzent irgendwelche Anweisungen gibt. Die Leute merken wohl einfach auch, dass wir ehrliche Typen sind und zu 100% hinter der Musik stehen.

Nils: Was uns schon häufiger gesagt wurde, dass man uns den Spaß bei Konzerten ansieht und uns das abnimmt, was wir da machen.

Sören: Grundsätzlich sind wir alle im Zeitalter der elektronischen Musik angekommen, auf die sich alles stürzt und da wir handgemachte Musik machen, schaffen wir uns dadurch vielleicht unsere Nische. Back to the Roots.

Sönke Holsten

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Rezension zu "Generation" (2015)

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