Fusion 2013

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matthias
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Fusion 2013

Beitrag von matthias » Di Jul 23, 2013 5:41 pm

dear.friends. hat geschrieben:
matthias hat geschrieben:
dear.friends. hat geschrieben:btw fusion hat auch ne kalkulation veröffentlicht.. ist wohl auch einiges schief gegangen.
und zwar wo?
wäre fast ein eigenes thema...
Fusion Festival Newsletter Nr. 3 / 2013

Liebe Fusionistinnen und Fusionisten,

Die 17. Fusion ist Geschichte und wir haben den Eindruck, dass es für die meisten von euch eine recht gute Geschichte geworden ist. Wir haben erneut ein ganz fettes Feedback bekommen und deshalb wollen wir an dieser Stelle zuerst einmal allen, die das gemeinsam ermöglicht haben und sich wie und wo auch immer mit ganzem Herzen eingebracht haben, ganz herzlich danken! Ihr seid der Treibstoff für die Fusion Rakete ohne euch würde sie einfach nicht fliegen, egal wie gut sie konstruiert ist ...

Was hat euch bewegt, was hat uns bewegt?

Zwei Themen haben uns maßgeblich und zum Teil auch das ganze Festival über beschäftigt und aufs Gemüt geschlagen. Das Eine hat mit dem Anderen nur randläufig zu tun aber am Ende hat beides zur Folge, dass die Fusion in Zukunft deutlich teurer werden wird.

1. Es war zu voll, haben viele gesagt und wir sagen auch – JA, ES WAR ZU VOLL !

Dies war es nicht, weil wir zu viele Karten verkauft haben oder weil durch das feuchtkühle Wetter alle immer auf Trab waren und permanent rumgelaufen sind. Die Zahl der verkauften Tickets lag mit 60.000 zwar bereits über dem letzten Jahr, aber dank der relativ vielen kurzfristigen Stornierungen konnten wir sogar noch ein paar Tausend davon in das Arbeitsamt laufen lassen, um Arbeitswillige davon abzuhalten über den Zaun zu springen und sich dabei den Finger abzureißen. Am Ende kamen über die Tür maximal 62.500 zahlende oder arbeitende Besucher_innen. Dazu gingen an die Künstler_innen und alle beteiligten Gruppen gut 8.000 Freikarten. Damit waren es offiziell ca. 70.000 Fusionist_innen und damit wäre es zwar voll aber lange nicht so voll gewesen.

Es war zu voll, weil Tausende ohne ein Ticket angereist sind und angesichts unserer, mitunter viel zu laschen Kontrollen in den Eingangsbereichen, sowie der reichlich genutzten Option des Zaunhoppings ohne Bezahlen mitgefeiert haben. Nach den Zahlen der übers Arbeitsamt verkauften Tickets und spontanen Bändselkontrollen auf dem Gelände, gehen wir von 10.000 + X ticketlosen Besucher_innen aus. Ca. die Hälfte haben wenigstens noch ne Arbeitsschicht geleistet, andere sind mit allen Tricks und ohne sich dafür auch nur im Geringsten kritisch zu hinterfragen eingesickert und haben ordentlich gefeiert.

DANKE an euch alle, die ihr einen Scheiß auf FAIR PLAY gegeben habt und damit Kraft eures Egos dazu beigetragen habt, dass die Fusion nie wieder so sein kann, wie sie bisher war! Ihr habt dem Festival die Unschuld geraubt und uns die Illusion genommen, dass die Fusion auch in Zukunft ohne Kontrolle an alle Ecken und Enden machbar wäre.

Vielleicht seht ihr das Problem nicht und sagt, war doch noch okay, aber wir sagen, dass wenn trotz aller Planung und einem Jahr mühevoller Arbeit an den Defiziten des vergangen Jahres erneut alle Kapazitäten wie Platz zum Feiern oder Chillen, Essen, Toiletten, Duschen, ... permanent am oder hinterm Limit sind, dann können wir nicht tatenlos abwarten, bis diese Entwicklung das Festival zum Kollabieren bringt, um dann den Exitus zu erklären.

Eine weitere Entwicklung in diese Richtung mit tausenden Besucher_innen, die sich nicht an die Spielregeln halten und versuchen ohne Ticket auf das Festival zu gelangen, gefährdet am Ende die Sicherheit von allen Besucher_innen und damit explizit den Fortbestand des Festivals!

Vielleicht war es ja auch etwas naiv, dass wir trotz zehntausender Verliere_innen bei der Ticketvergabe auf Fair Play gesetzt und alle eindringlich aufgefordert haben, nicht ohne Ticket zu kommen.

Jetzt sind wir leider schlauer und haben gelernt, dass wir Gefahr laufen, an unserem Erfolg und der Faszination die das Festival auslöst zu scheitern, sofern wir diese Entwicklung nicht stoppen können.

Das Überklettern des Zaunes haben viele teuer bezahlen müssen.

Über 30 schwere Handverletzungen, abgerissene Finger, die rund-um-die-Uhr-Blockierung aller Operationssäle der umliegenden Krankenhäuser, schwere Folgeschäden, teils lebenslange Behinderungen und Verkrüppelungen der Betroffenen sind andere Aspekte der Problematik, die uns zum Handeln zwingen.

Für die Zukunft bedeutet dies, dass alle, die im kommenden Jahr ohne Ticket anreisen, massiv am Betreten des Geländes gehindert werden und alle, die ohne Bändchen auf dem Festival unterwegs sind, garantiert kein entspanntes Fusion-Wochenende auf Kosten der Mehrheit verbringen werden!

Dies bedeutet leider auch, dass im kommenden Jahr für die erforderlichen Maßnahmen eine Menge Kosten entstehen werden, um eine strikte „no ticket – no entrance“ Politik 2014 auch durchzusetzten.

Alleine schon aus diesem Grund wird der Eintrittspreis steigen. Womit wir beim Zweiten unserer großen Probleme diesen Jahres angelangt wären:

2. DIE PENUNSEN REICHEN NICHT!

Die Produktion des Festivals sowie die vom Kulturkosmos zumeist im Zusammenhang mit der Verbesserung der Festivalinfrastruktur betriebenen Bauprojekte und Investitionen, haben unseren finanziellen Rahmen deutlich überschritten. Der nunmehr im dritten Jahr gehaltene Eintrittspreis von EUR 70,- konnte die Kosten bei weitem nicht mehr decken. Die Dimension hatte sich spätestens Anfang Juni abgezeichnet, aber im direkten Vorfeld des Festivals konnten wir kaum noch gegensteuern. Das überhaupt so ein unerkanntes großes Defizit entstehen konnte, hängt viel damit zusammen, dass bei uns nicht, wie in der Wirtschaft üblich, mit Ausschreibungen oder Kostenvoranschlägen gearbeitet wird, sondern das Meiste durch unsere eigenen Angestellten und/oder Vereinsmitglieder realisiert wird. Da fehlt es uns eben manchmal an der Erfahrung die Kosten vorherzusagen und manchmal hätten wir auch einfach nur 1 und 1 zusammenzählen müssen ...

Auch der bei allen Beteiligten der Fusion gewachsen Anspruch, jedes Jahr eher noch ne Schippe drauf zu legen als irgendwo mal kürzer zu treten, hat die Kostenspirale in fast allen Bereichen deutlich nach oben geschraubt und nun haben wir unsere eigene Finanzkrise und droht uns ganz akut das Geld auszugehen.

Damit wir nicht absaufen und sowohl das anstehende at.tension- Festival als auch den Rest des Jahres finanzieren können, haben wir beschlossen, uns einen eigenen Rettungsschirm zu basteln. Wir werden deshalb ein Vorabkontingent von 5.000 Festivaltickets für 2014 zeitnah über unsere Webseite verkaufen. Die Aktion wird im August stattfinden und der Stichtag wird kurzfristig über diesen Newsletter angekündigt werden.

Es gilt dafür das alte Prinzip „first comes – first serves“.

Am 1. Dezember startet dann die Registrierungsphase für die reguläre Verlosung der Ticketkaufoptionen, die am 15.12.2013 stattfinden soll.

Wie steil wird denn nun der Ticketpreis 2014 ansteigen?

Die Situation ist leider so verfahren, dass ein moderater Preisanstieg die Kuh nicht mehr vom Eis bringen kann und auch angesichts der zu erwartenden Mehrkosten für Geländesicherung und Security die aus Problem Nr. 1 entstehen, können wir jetzt schon sagen, dass der Preis im kommenden Jahr auf € 90,- zzgl. Müllpfand steigen muss. Dazu haben wir uns selbst einen Sparkurs verordnet und werden so manches Projekt etwas eindampfen bzw. werden alle Bereiche einem Controlling unterziehen, um in Zukunft unsere Ausgaben besser im Blick zu halten.

Damit ihr einmal eine ungefähre Vorstellung bekommt, wie und für was hier das ganze Geld ausgegeben wird, haben wir die Ausgaben aus 2012 einmal rudimentär aus der aktuellen Buchhaltung/Steuererklärung zusammengefasst. Die Auflistung findet ihr hier: http://kulkos.net/expenses.12.pdf
Da ist schon für jeden Laien abzusehen, dass bei Ausgaben von EUR 5.281.247,- und den Einnahmen aus dem Ticketverkauf 2012 (incl. Müllpfand und Porto) von ca. EUR 4.850.000,- keine Kostendeckung ersichtlich ist und somit bereits 2012 defizitär war. Dies wurde im 1. Halbjahr 2013 natürlich nicht besser.

Als uns diese Erkenntnis gedämmert hat, war der Ticketverkauf für 2013 schon gelaufen ...

Soweit zu dem, was uns am meisten bewegt hat. Euch hat natürlich anderes bewegt aber zumindest nach dem, was wir im Forum so mitgelesen haben, waren es eher die jährlich wiederkehrenden Fragen, Probleme und Freuden. Wir wollen deshalb jetzt nicht auf die Themen Müll, Toiletten, früher war alles besser, ... eingehen. Grundsätzlich haben wir den Eindruck dass es mal wieder ein gelungenes Festival war. Speziell von unseren beteiligten ausländischen Freund_innen, die schon viele Festivals gesehen hatten, haben wir ein überwältigendes Feedback bekommen und wurde der Fusion immer wieder eine Einmaligkeit bescheinigt, deren wir uns einfach jedes Jahr aufs Neue bewusst werden müssen und auf die wir zugegebener Weise auch etwas stolz sind.

In diesem Sinne grüßen wir alle Fusionist_innen und wünschen euch einen heißen und aufregenden Sommer.

Eure Fusion Crew
Morgen breche ich aus, ganz bestimmt.

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Carsten R.
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Beitrag von Carsten R. » Mi Jul 24, 2013 11:06 pm

Ich lach mich tot. Das http://kulkos.net/expenses.12.pdf ist einfach nur ein Witz...

a horse
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Beitrag von a horse » Mi Jul 24, 2013 11:51 pm

Ist es das? Ich hab etwas gestutzt über die 250.000 fürs catering von bands und mitarbeitern?

Wenn es 1250 Leute betreffen würde (hochgegriffen), dann essen die da für 200€ pro nase?

Vor allem in Verhältnis zu 480.000 Gagen. Auch das die Gagen quasi nur 10% der Gesamtausgaben ausmachen...

Aber keine Ahnung, was man davon halten soll, wenn der Veranstalter schon ausdrücklich sagt, dass er keinen Plan vom Buchhaltung hat und da auch viele Fehler macht. 62.000, ausverkauft. Dennoch minus. Respekt. Und das kann ja nicht an den paar Zaunkletterern liegen, die zwar unschön sind, aber am Ende wohl Geld auf dem Gelände lassen (?)

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Beitrag von Daniel W. » Do Jul 25, 2013 3:19 pm

Das stimmt, finanziell sollten die Baumkletterer, so Banane es klingt, sogar noch eher ein Plus bringen da sie auf dem Festival Geld ausgeben.
How the hell was I supposed to know how to steer this ship?
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Beitrag von Hydro Meteor » Do Jul 25, 2013 3:42 pm

hab ich was verpasst oder geht es bei den baumkletterern nicht primär darum dass sie die (nicht nur sicherheits-)kosten fürs nächste jahr hochtreiben?
musik und der rest - zum lesen - unter www

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Beitrag von matthias » Do Jul 25, 2013 3:55 pm

so ist es. gedankenkette: baumkletterer -> festival gefühlt zu voll -> ungemütlich -> mehr sicherheit, um das zu verhindern in 2014 -> 2014 teurer
Morgen breche ich aus, ganz bestimmt.

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Beitrag von Daniel W. » Fr Jul 26, 2013 11:34 am

Das ist natürlich wahr - aber dieses Jahr haben sie aber ja tendenziell eher noch mehr Geld dagelassen. Mutmaßlich.
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Beitrag von dear.friends. » Fr Jul 26, 2013 3:05 pm

ich weiß ja nicht, wie voll es war, aber sowas könnte mir schon die laune verderben (auch auf konsumebene), wenn es kein plätzchen gibt, wo man ruhig was essen oder trinken kann.
manche ausgaben kann ich davon nicht nachvollziehen, wie hier genannt catering. aber mal interessant, sowas zu sehen.
brabrablubb.

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Beitrag von Ben K. » Fr Jul 26, 2013 3:21 pm

Chris war doch da? Vielleicht kann er seine Eindrücke schildern? :)
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Beitrag von Chris H. » So Jul 28, 2013 9:41 pm

Jou, ich kann eigentlich nur sagen, dass ich es subjektiv als überhaupt nicht zu voll empfunden habe. Ich war aber dieses Jahr auch zum ersten Mal dort und kann daher nicht beurteilen, inwiefern es sich zu den Vorjahren verändert hat. Eigentlich war ich eher erstaunt darüber, wie extrem entspannt alles für eine Veranstaltung, die ja doch mittlerweile eine beträchtliche Größe erreicht hat, ablief.

Ich glaube also, die vielen Zaunkletterer stellen nicht vordergründig ein Platzproblem dar, sondern es geht eher um den Sicherheitsaspekt (gerade auch für die Leute, die versuchen, ticketlos reinzukommen und sich dabei verletzen, das is wirklich ziemlich dämlich). Vielleicht hätte man sich von Seiten der Veranstalter besser auf diese Problematik vorbereiten können, man wusste ja, wie viele Karten verkauft wurden und wie viele Absagen verschickt wurden (meines Wissens nach ca. 60 000 verkaufte Tickets im Verhältnis zu ca. 40 000 Menschen, die Tickets wollten und keine bekommen haben...). Aber da erlaube ich mir nicht, irgendwelche Anschuldigungen zu erheben oder Mutmaßungen anzustellen.

Die zugegebenermaßen ziemlich hahnebüchene Kalkulation ist wieder ein anderes Thema... Spontan ist mir da drin aufgefallen, dass viele Posten garnicht aufgeführt sind (zum Beispiel die angeblich recht happigen Gebühren für Betreiber der Food-/Nonfood-Stände), an anderen Stellen wirklich seltsame Kosten zu Stande kommen. 12 500€ Kosten für Telefon/Internet für zwei Büros kann ich grade nicht so ganz nachvollziehen. Caterin wurde ja schon genannt. Außerdem werden hier einige Kosten, die eher den veranstaltenden Verein Kulturkosmos betreffen mit direkten Kosten für das Festival vermengt, z.B. das "Gäste- und Seminarhaus" für 170 000€ ist ja ne dauerhafte Anschaffung. Aber auch hier bin ich zu wenig in der Thematik drin, als dass ich mir ein Urteil erlauben könnte.

Auf jeden Fall ziemlich seltsam, dass ein Festival, das über Jahre hinweg immer wieder ausverkauft ist und noch dazu über ein eigenes Gelände verfügt (der Veranstaltungsort befindet sich im Besitz des Veranstalter-Vereins) Miese macht...
"Well never mind,
we are ugly but we have the music."
(Leonard Cohen)

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Beitrag von matthias » Mo Jul 29, 2013 7:04 am

Ich finde v.a. interessant, dass "Die Sehnsucht nach einer besseren Welt" oder der "Parallelgesellschaft" wie's auf der Webseite steht jetzt doch erstmal die Sehnsucht nach Regeln und jmdm, der sie durchsetzt, ist. Da lässt sich ja fast mehr draus machen als nur über ein Festival nachzudenken.
Morgen breche ich aus, ganz bestimmt.

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