Der komplette Zusammenbruch der Musikindustrie

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Carsten R.
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Beitrag von Carsten R. » Di Nov 10, 2009 5:18 pm

Beispiel: Ein Ticket das den Endkunden 17,00 € bei Eventim kostet, wurde vom Veranstalter eigentlich für 12,50 € reingestellt. Das ist dann sogar schon der Bruttopreis. In manchen Städten gibts auch noch die Vergnügungssteuer, in Münster 22%! Bis 2014 will die GEMA 10% der Einkünfte haben. Dann rechne nochmal die Kosten des örtlichen Veranstalters ab (von dem, was der Laie auch sieht und erkennt wie Hotel, Catering, Technik, Werbekosten (Poster, Flyer,...), Personal,... bis zu versteckten, eher unbekannten Kosten wie Versicherung, Frequenznutzungsrechte, usw. Von den 17,00 €, die du zahlst, bleiben also schonmal höchstens 10,00 € netto und die Band bekommt üblicherweise 50% - also unter 5,00 € und unter einem Drittel von dem was du bezahlt hast.

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JCM
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Beitrag von JCM » Di Nov 10, 2009 7:04 pm

Was Stebbie eben im ICQ zu mir meinte: Teils mag's natürlich auch daran liegen, dass gerade der Herbst übervoll mit guten Konzerten ist und man da schon schauen muss, wo man hingeht. Finanziell vor allem, aber zB sind am 25.11. 2-3 Sachen, auf die ich sonst ohne zu überlegen gegangen wäre.
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todde
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Beitrag von todde » Di Nov 10, 2009 8:31 pm

Ich kann nur für mich sprechen, aber vielleicht geht es ja mehr Leuten so.
Die Zeiten des Hochs von Indie/Alternative der frühen 2000er Jahre mit dem Boom 2005/2006 sind jetzt entgültig vorbei.

Ich bewerte das nicht qualitativ, sondern quantitativ. Vielleicht ist das aber auch nur der ewig gleiche Zyklus vom Insider zum Trend zum Boom zum Mainstream und dann flacht das ganze wieder mal für ein paar Jahre ab. Ich glaube der "Clubrock" frisst gerade seine eigenen Kinder auf.
Die ersten, die das merken, sind die Bands, welche auch in Zeiten des absoluten Booms schon hinter anderen Vertretern standen, siehe die Cribs als Beispiel. Everybodys 23rd favourite band, oder so. Die Leute sparen dann an den "unwichtigeren" Bands zuerst.
Dann ist mir aber auch der Größenwahn der Veranstalter in letzter Zeit wieder vermehrt sauer aufgestoßen, weniger begründet an den Preisen, als an den Größen der Hallen. Als Stuttgarter z.B. zu Maximo Park: bei der letzten Tour war das LKA mit seinen ca.1.400 nicht ganz ausverkauft, zu Zeiten von books from boxes, das auch mal im Mainstreamradio lief. Was genau führt da jetzt zu der Annahme, dass jetzt eine deutlich größere Location herhalten sollte? Da wird mit Wachstumsraten geplant, die vielleicht in ganz speziellen Fällen mal erreicht wurden, aber das ist doch nicht übertragbar auf jede x-beliebige Band eines Genres.

Aber schaut euch doch mal ganz Offensichtliches an, wie Neuanmeldungen in Musik-Internetforen von den größten Zeitschriften, oder den großen Festivals. Selbst hier, oder bei plattentests.de ist doch auch im Vergleich zu Zeiten des Booms "tote Hose". Keine Sau von den Jüngeren, die heute so alt sind wie wir damals, scheint sich großartig für sowas zu interessieren. Wenn ich grade mal die letzten vier Posts nehme, dann sind "wir" alle praktisch gleich alt, danach kommt nicht mehr viel. Obwohl Social networking ja eigentlich das Mega-Ding der Jugendlichen sein soll, wie mir altem Sack zugetragen wurde. :D
Wer geht schon als 18jähriger heute auf ein I am Kloot-Konzert? Keiner.

Dann noch die Sache mit den Festivals, die meiner Meinung nach letztendlich den Clubs viel Publikum kosten. Totgespielte Bands auf DEN Events des Sommers neben Ballermann nehmen den Reiz an der ganzen Livesache. Konzerte im Club/Halle dauern heute häufig nur unwesentlich länger, als die Auftritte bei den Festivals. Merke das selber auch bei mir, für Maximo Park o.ä. würde ich keinen Meter mehr zum Club fahren. Die Diversität der größeren Festivals nimmt auch immer mehr ab, so dass man häufig die gleiche Band mindestens einmal pro Jahr irgendwo sehen kann. Raritäten gibt es natürlich schon noch, aber der Großteil der tourwilligen, angesagten Bands ist schlichtweg das Gegenteil davon. Editors haben jetzt wohl seit 2005 jeden Sommer Festivals gespielt, Billy Talent wohl auch usw.
Die Luft ist raus und genau das scheinen die Bands selbst zu befürchten, hängen sie doch alle nochmals ein Leg an ihre Tour an, "bevor es zu spät ist".

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Klaus
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Beitrag von Klaus » Di Nov 10, 2009 10:40 pm

Carsten R. hat geschrieben:Beispiel: Ein Ticket das den Endkunden 17,00 € bei Eventim kostet, wurde vom Veranstalter eigentlich für 12,50 € reingestellt. Das ist dann sogar schon der Bruttopreis. In manchen Städten gibts auch noch die Vergnügungssteuer, in Münster 22%! Bis 2014 will die GEMA 10% der Einkünfte haben. Dann rechne nochmal die Kosten des örtlichen Veranstalters ab (von dem, was der Laie auch sieht und erkennt wie Hotel, Catering, Technik, Werbekosten (Poster, Flyer,...), Personal,... bis zu versteckten, eher unbekannten Kosten wie Versicherung, Frequenznutzungsrechte, usw. Von den 17,00 €, die du zahlst, bleiben also schonmal höchstens 10,00 € netto und die Band bekommt üblicherweise 50% - also unter 5,00 € und unter einem Drittel von dem was du bezahlt hast.
Alles schön und gut. Aber das Bands, die noch nicht einmal ein Album rausgebracht 60 Euro kosten sollen, oder Bands, deren Zenit lange vorbei ist (Pumpkins), sowie gehypte Indiebands auf einmal 25-30 Euro kosten (XX, Wolfmother), die eben noch fürn 10er irgendwo gespielt haben, regt mich irgendwo auf. Oder total abgehoben 40 Euro wie Pete Dhoerty... Das bin ich dann auch nicht mehr bereit zu zahlen. Bis 20 Euro ist vieles OK, darüber hinaus wirds oft kriminell.

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