Festival-Nachbericht

Way Back When 2015


An Pfingsten war in Dortmund die Hölle los – also, für Dortmunder Verhältnisse. Warum? Fußballfans mögen nun mit Jürgen Klopps letztem Bundesligaspiel als BVB-Coach kommen. Der Musikfreund weiß: Das Way Back When schickte sich zum zweiten Mal an, eine ähnlich ruhmreiche Karriere hinzulegen wie die Borussia.

Dabei passt der Name Way Back When beim Blick aufs Line-up nur stellenweise: Zwar mag man in ein paar Jahren Leute nostalgisch schwelgen hören, ob man sich noch erinnere, diese oder jene mittlerweile durch die Decke geschossene Band damals, also way back, in einem Laden wie der prächtigen Pauluskirche oder dem Nobelclub Domicil gesehen zu haben. Geradezu prädestiniert für so eine Zukunft ist vor allem The Slow Show nach ihrem Auftritt zwischen Altar und Kirchenbänken, die mit ihrem nicht nur leicht an The National erinnernden Sound besser in ihre Umgebung passen als der Wein in den Messbecher. Auch The Rural Alberta Advantage sind eigentlich für größere Clubs als das Domicil gemacht – auch wenn man sich nach deren fulminantem Auftritt am Freitag Abend fragt, wieso das nach drei Alben eigentlich immer noch so wenige gemerkt haben.

In manchen Fällen ist dieser verdiente Popularitätsschub dann aber doch schon vor dem Festival eingetreten: Während die soliden, aber nicht weltbewegenden Trümmer womöglich auch aufgrund des sonnigen Pfingstwetters noch vor einem halb gefüllten FZW auftreten, stehen sich schon am frühen Samstagabend die Freunde der Amore die Beine in den Bauch, um mit Wanda den heißesten österreichischen Scheiß seit Falco zu sehen. Zu Recht, wie sich herausstellt: Denn das Publikum feiert bereits jetzt jeden Song der spielfreudigen Wiener so sehr, dass man sich fragen muss, wo diese Band in ein paar Jahren erst stehen wird – den Witz, das bald erscheinende zweite Album werde "schlechter, aber sich besser verkaufen" glaubt Marco Michael Wanda sowieso keiner, und nach dem neuen Song "Meine Beiden Schwestern" erst recht nicht. Antiklimaktisch nur der Abzählreim "1,2,3,4, es ist so schön bei dir zum Abschied" – meine Herren, das könnt ihr besser.

Inmitten soviel jungen Blutes wirken etabliertere Bands wie Murder By Death schon fast abgezockt und doch stellen sie mit einem aus mittlerweile sieben Alben zusammengebauten Set vielleicht den besten Auftritt des Festivals – die für das Quintett aus Indiana ungewohnte Lautstärke verträgt sich ähnlich gut mit Adam Turlos fantastischer Stimme wie dem erdigen Westernsound der Band. Mit Murder By Death hat der Auftritt von Foxygen dann nur die Lautstärke gemeinsam – wobei "Show" hier sowieso ein passenderer Begriff als "Auftritt" ist: Da hüpft Frontfloh Sam France in bester Austin-Powers-Manier über die Bühne, da verlässt der Bassist kurzfristig wütend die Band, da wollen die drei Backgroundsängerinnen auch einmal ihr selbstgeschriebenes Lied prämieren? (hinter dem sich dann das wohlbekannte "No Destruction" verbirgt). Und das alles mit einer Energie, einem Krawall und einem Wahnwitz, die ihresgleichen suchen – bei manchen Songs des Durchbruchsalbums "We Are The 21st Century Ambassadors Of Peace & Magic" jedoch auch nicht immer angebracht sind. Danach kann man dann das Festival mit den simpler gestrickten Allah-Las ausklingen lassen oder mit Ghostpoet den nächsten (berechtigten) Hypezug besteigen – die Schlangen vor dem Domicil sprechen Bände. Da hat man also beim Booking des Way Back When mal wieder ein gutes Händchen bewiesen. Nicht zum ersten Mal – und hoffentlich auch die nächsten Jahre weiterhin.

Jan Martens

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