Festival-Nachbericht

TakeRoot 2019


Wenn Anfang November 20jährige Niederländer mit Cowboyhüten auf dem Kopf herumlaufen, wirkt entweder noch Halloween nach – oder es findet wieder das TakeRoot in Groningen statt.

Den weißen Stetson auf dem Kopf kann man zwar albern finden, wenn man die gleichen Wertungen dann auch bei Metal-Kutte oder schrägem Melt-Outfit vornimmt, ansonsten zeigt er nur eine vollkommene und komplett ironiefreie Liebe zu einer Musikrichtung, die viele TakeRoot-Besucher auch anders verdeutlichen: Durch intensives Stöbern an verschiedenen Vinylständen zwischen den Auftritten zum Beispiel, oder dadurch, dass kaum jemand wegen "der einen Band" da zu sein scheint: Oft füllt sich der große Saal erst wenige Minuten vor dem jeweils nächsten Auftritt, der Großteil des Publikums flaniert solange zwischen den anderen Bühnen hin und her.

Natürlich kann das einem Außenstehenden auch leicht zu amerikanisch sein: Bei klassischen Countrybands wie The Delines oder The Long Ryders erwartet man geradezu einen "Trump 2020"-Bumpersticker am Tourbus und die von der Verfassung garantierte Handfeuerwaffe im Aufnahmestudio. Willkommen sind da die Abweichungen: Son Volt, die die Laut-Leise-Dramatik ebenso gut wie die häufig mit ihnen verglichenen Wilco beherrschen oder Josh Ritter (siehe Foto): Der bleibt einfach ein toller Folk-Songwriter, da kann er noch so viele Stücke als Cowboysongs, für die man ja nur ein "Yeehaw" und einen "Lonely Dude" brauche, ankündigen.

So bleibt das TakeRoot in seiner Gesamtheit aber wieder einmal eine perfekte Adresse für jeden, der in die amerikanische Root-Musik eintauchen, aber nicht gleich komplett in ihr einsinken möchte. Man muss sich ja nicht gleich den Cowboyhut kaufen – allerdings kommt Halloween 2020 ja auch irgendwann.

Jan Martens

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