Festival-Nachbericht

Immergut Festival


Mit Bands wie Mogwai, dEUS und dem geheimnisvollen Jane Fonda Trio – wer soll das denn bitte sein? – standen wieder einige hochkarätige Bands auf dem Immergut-Timetable. Wir waren bei der 11. Ausgabe des Festivals dabei.

Beim Immergut Festival und Mutter Natur scheint das Motto wirklich stets zu lauten: Eine Hand wäscht die andere. Nicht genug, dass Regenwolken seit jeher einen großen Namen um Neustrelitz machen: kaum probiert das sympathischte Festival MeckPoms durch das "Green Parking" (nur wer seine Autos mit genügend Insassen vollpackt, darf auf den nächstgelegenen Parkplatz) noch etwas umweltbewusster zu werden, beeilt sich auch der diesjährige isländische Pöbelvulkan mit seinem Aschespucken – und der Flugverkehr ist rechtzeitig für alle von weither herbeireisenden Bands wieder freigegeben.

Wäre aber auch zu schade gewesen – kam doch allein schon aus der Heimat besagten Vulkans mit Retro Stefson die für viele vielleicht größte Neuentdeckung des Festivals an die Mecklenburger Seenplatte gejettet: Ein Schuss quirlige Weltmusik á la Vampire Weekend hier, eine Prise Manu-Chao'sche Multilateralität da und heraus kommt unter anderem "Kimba", einer der ersten wirklich Sommersongs der Indiewelt – und wahrscheinlich der tollste Auftritt auf der Zeltbühne, die schon mit dem überraschend krachigen Debüt-Auftritt der Port-O'-Brien-Nachfolger Waters vorlegte.

Nicht zu vergessen hierbei jedoch, wie erst die Hauptbühne an Bandimmigrationsstopp durch Vulkanasche gelitten hätte. Zwar hinterließ Darwin Deez' Kombination aus leicht missglückten Tanzchoreographieversuchen und dünnem Gesang am Freitag einen zwiespältigen Eindruck, doch zeigten unmittelbar darauf die schottischen Mogwai wieder einmal, wo der Postrockhammer so hängt – und dass langsamer Aufbau von Soundwänden manchmal eben doch nicht gegen 80 Minuten pure Lautstärke anstinken kann. Wie sehr dEUS hingegen am Samstag ihren Ruf untermauerten, die beste Rockband (mindestens) Belgiens zu sein, ließe sich schon durch einen Verweis auf die Setlist verdeutlichen – denn wer "Instant Street" UND "Roses" UND "Bad Timing" und, und, und geschrieben hat und sie noch wie die größten Rocksäue überhaupt runterdrischt, hat sich ganz einfach eine Ausnahmestellung in der Musikwelt erarbeitet.

Um aber nicht nur Bands aus mehr oder weniger fernen Ländern zu fokussieren, soll abschließend das Geheimnis um das "Jane Fonda Trio" gelüftet werden, das den Coheadlinerplatz vor dEUS okkupierte – ja, es handelte sich um ein Trio aus Berlin (auuuus Berlin). Nein, es waren nicht Die Ärzte – sondern Bodi Bill. Deren Auftritt wurde von 5000 tanzwütigen Indiekids zwar begeistert empfangen, offen bleibt dennoch die Frage, warum man den jetzt auch nicht sonderlich exklusiven Auftritt von Bodi Bill nicht auch als Bodi Bill hätte ankündigen können. Aber das sind im Endeffekt nur kleine Fragen bei einem Festival, das im Großen und Ganzen wieder lauter Ausrufezeichen als eines der schönsten in Deutschland setzt. Dafür sagen wir: Danke, Immergut. Und danke, Vulkan!

Jan Martens

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