Festival-Nachbericht

Hurricane Festival 2015


Was wurde im Vorfeld des diesjährigen Hurricane Festivals diskutiert: Wo bleiben die ganz großen Namen? Funktioniert das bargeldlose Bezahlverfahren? Tritt das Festival auf der Stelle? Die Antworten hat das Festival dann allerdings eindrucksvoll beantwortet und die Fragen somit als hinfällig abgestellt.

Bereits 2012 sollten sämtliche Produkte mit einem vorher mit Guthaben aufgeladenen Chip gezahlt werden. Aufgrund technischer Probleme wurde aber damals bereits vor dem Festival zurückgerudert und dem Bargeld der Vortritt gelassen. Leider funktionierte das System auch beim diesjährigen Start nicht fehlerfrei und viele Festivalbesucher konnten nicht an ihr geladenes Geld. Dieser Mangel konnte aber schnell behoben werden, der Chip funktionierte bald einwandfrei und stellte sich als zeitsparende Neuerung dar.

Eine weitere Idee war das komplett neue Foodkonzept auf dem Festivalgelände. So standen in diesem Jahr nicht die üblichen Pommes- und Pizzabuden auf dem Areal, sondern individuelle Essensstände, mit nicht unbedingt üblichem Angebot, aber dafür sehr erlesen und qualitativ hochwertig. So konnte man von frischem Flammkuchen über Ciabatta-Burger bis zum Lachsdöner seinem verkaterten Körper auf die Beine helfen.

Musikalisch wurde der Freitag zunächst von Musik der härteren Gangart begleitet, um dann in der Nacht von den Art-Poppern Alt-J fulminant beschlossen zu werden. 2012 noch am Mittag auf den Brettern der Hurricanebühne, bewies das Trio aus Leeds eindrucksvoll, woher dieser Erfolg rührt. Nach 75 atemberaubenden Minuten mit perfekter Setlist und großer Lightshow ließen sie die Masse den anderen Headliner Placebo schnell vergessen.

Der Samstag kam mit besserem Wetter und einem breiten Genremix daher. So zeigten Adam Angst und Metz schon zur Mittagszeit, wie man die Eindrücke des Vortags aus den Gehörgängen schreit. Die Antwoord ließen dann mit ihrem schrillen und skurrileren Mix aus Eurodance, Hip Hop und Techno viele Hörer etwas ratlos zurück. Im Anschluss ließen dann Marteria und Jan Delay dem Vorwurf, nur Not-Headliner zu sein, ordentlich die Luft raus und bewiesen hohen Unterhaltungswert.

Der Sonntag lag dann ein wenig unter dem Stern des Casper-Sets am späten Abend. Gerade das jüngere Publikum schien mit den Hufen zu scharren. Allerdings wurde einem diese Zeit musikalisch hochkarätig versüßt. So zeigte Olli Schulz, neben seinen wirklich unterhaltenden Anekdoten, dass er nach wie vor ein relevanter Musiker mit guten Songs ist. The Notwist machten ihrem Nerd-Image wieder einmal alle Ehre und bewiesen, dass sie im Grunde alles können. Songs gingen von Indie in wabernde Triphop-Passagen über, um dann im nächsten Song die Metalkeule zu schwingen. Und wer dann nach dem lupenreinen Casper-Spektakel noch Kraft für Florence & The Machine hatte, ist mit großer Sicherheit selig ins Zelt gefallen.

Vielleicht sollte man es dem Hurricane hoch anrechnen, dass es eben mal nicht diese obszöne Gagen-Schlacht zwischen potentiellen Headlinern und Festivals mitgemacht hat und diesmal den Fokus auf das Rahmenprogramm gelegt hat. Natürlich waren die 10.000 Besucher weniger für Folkert Koopmans und sein Team ein wirtschaftliches Problem. Der Festivalstimmung tat die reduzierte Besucherzahl allerdings sehr gut. Und zum 20. Jubiläum im kommenden Jahr wird unter Garantie die eine oder andere Überraschung auf der Bühne stehen.

Sönke Holsten

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