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Kettcar - Ich Vs. Wir

 
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JCM
Redaktion


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BeitragVerfasst am: Fr Okt 20, 2017 2:52 pm    Titel: Kettcar - Ich Vs. Wir Antworten mit Zitat


01. Ankunftshalle
02. Wagenburg
03. Benzin und Kartoffelchips
04. Sommer ’89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)
05. Die Straßen unseres Viertels
06. Auf den billigen Plätzen
07. Trostbrücke Süd
08. Mannschaftsaufstellung
09. Das Gegenteil der Angst
10. Mit der Stimme eines Irren
11. Den Revolver entsichern

VÖ: 13.10.2017

www.kettcar.net

Hach, bei dem Album merk ich erst wieder, wie sehr ich die Band eigentlich mag und immer mochte - gerade, weil "Zwischen Den Runden" nicht ganz so doll war.
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Daniel W.
Redaktion


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BeitragVerfasst am: Do Nov 09, 2017 11:31 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Die Spex hat bei ihrer Rezension sehr meinen Nerv getroffen und hätte in einem Satz nicht besser auf den Punkt bringen können warum ich immer wenn ich Kettcar irgendwo höre - vorallem wegen diesem unerträglichen Betroffenheitsgesang - Unwohlseinsgänsehaut bekomme:

"Zu nationalelfkabinenkompatiblem Uptemporock, der die Essenz des Indieslackertums bis zur Autoradiotauglichkeit verwässert, lotet Marcus Wiebusch mit angestrengt dreitagebärtiger Weariness-Stimme bundesrepublikanische Linksmainstream-Befindlichkeiten aus."

http://www.spex.de/kettcar-ich-vs-wir-review/
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Klaus
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BeitragVerfasst am: Fr Nov 10, 2017 9:19 am    Titel: Antworten mit Zitat

Wundert mich ehrlich gesagt, dass du da mitgehst, daniel. Gerade die Spex-Rezension hat ja viel Kritik einstecken müssen ob ihrer Oberflächlichkeit und der Botschaft.

Bei mir verhält es sich so: Ich mochte Kettcar nie und habe auch bei diesem Album recht schnell abgeschaltet, einfach weil mich die Art dieser Musik nervt (und v.a. der Gesang).

Finde es jedoch sehr gut, dass sich deutsche Künstler mal intensiv und auf einem intellektuellen Niveau mit den aktuellen Gegebenheiten auseinandersetzen. Da dürften Kettcar recht allein stehen.
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Daniel W.
Redaktion


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BeitragVerfasst am: Fr Nov 10, 2017 11:40 am    Titel: Antworten mit Zitat

Klaus hat Folgendes geschrieben:
Wundert mich ehrlich gesagt, dass du da mitgehst, daniel. Gerade die Spex-Rezension hat ja viel Kritik einstecken müssen ob ihrer Oberflächlichkeit und der Botschaft.

Bei mir verhält es sich so: Ich mochte Kettcar nie und habe auch bei diesem Album recht schnell abgeschaltet, einfach weil mich die Art dieser Musik nervt (und v.a. der Gesang).

Finde es jedoch sehr gut, dass sich deutsche Künstler mal intensiv und auf einem intellektuellen Niveau mit den aktuellen Gegebenheiten auseinandersetzen. Da dürften Kettcar recht allein stehen.


Wieso wundert dich das? Und: Welche Kritik hat sie einstecken müssen? Das würde mich interessieren.

Ich mochte Kettcar mit 15/16, das hat sich aber ziemlich schnell geändert dann, vorallem Wiebuschs Stimme ertrag ich gar nicht, wegen dieser ekeligen Betroffenheitsschiene, und genau da trifft die Spex-Rezension genau meinen Nerv.

Und auch das mag ich inhaltlich nicht: Ja, ich finde es gut, wenn deutsche Künstler*innen sich auseinandersetzen. Klar. Aber diese Betroffenheit und diese Gefühlsduselei reichen mir nicht aus. Das ist so Musik die linksmainstreamige Leute (auch da triffts die Spex für mich gut) und so weiter dann hören und sich beim Hören schon superpolitisch fühlen, danach folgt aber oft nichts. Und das reicht heutzutage einfach nicht aus, zumindest mir nicht.
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johnny b.



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BeitragVerfasst am: Sa Nov 11, 2017 10:25 am    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde die Kritik der Spex super und treffend. Danke fürs Teilen!
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JCM
Redaktion


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BeitragVerfasst am: So Nov 12, 2017 10:17 am    Titel: Antworten mit Zitat

Daniel W. hat Folgendes geschrieben:


Und auch das mag ich inhaltlich nicht: Ja, ich finde es gut, wenn deutsche Künstler*innen sich auseinandersetzen. Klar. Aber diese Betroffenheit und diese Gefühlsduselei reichen mir nicht aus. Das ist so Musik die linksmainstreamige Leute (auch da triffts die Spex für mich gut) und so weiter dann hören und sich beim Hören schon superpolitisch fühlen, danach folgt aber oft nichts. Und das reicht heutzutage einfach nicht aus, zumindest mir nicht.


Und das ist dann die Schuld der Band, wenn die Hörer hinterher nichts Weiterführendes unternehmen? Da hätte sie am besten doch wieder sinnentleerten Unsinn singen können? Und außerdem dürfen politische Botschaften nicht in Songs mit Strophe-Refrain-Schema und E-Gitarren gepresst werden, denn was Thomas Müller musikalisch nicht überfordern würde, gehört schon zum Establishment?

Sorry, das ist polemisch, aber viel tiefgründiger klingt die Kritik für mich auch nicht. Ich hab aber bei dem ganzen Diskurs wieder das Gefühl, dass viele derjenigen denen für diese Songs schätzen, die sie sowieso mögen, während die Kritik von denjenigen kommt, die ihnen vorher schon wegen Betroffenheitslyrik oder Wiebuschs Stimme oder weswegen auch immer nichts abgewinnen können oder weil sie eben in einem Portfolio an Bands vorkommen, die man um Gottes Willen nicht zu mögen hat, wie das bei der (mir extrem unsympathischen, wird keinen wundern) Spex den Autoren wahrscheinlich vorgelegt wird. Das Gefühl hab ich aber sowieso viel zu oft bei Diskussionen über Musik, dass Aktionen, Haltungen etc immer danach bewertet werden, ob man die Künstler sowieso schon mag. Wenn Tocotronic "Wagenburg" geschrieben und um drei zusammengewürfelte, pseudokluge Metaphern ergänzt hätten, hätten doch schon wieder welche die Einführung eines Friedensmusiknobelpreises gefordert.

Da rechne ich Klaus die differenzierte Bewertung dann doch mal hoch an.
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Klaus
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BeitragVerfasst am: So Nov 12, 2017 11:48 am    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Wieso wundert dich das? Und: Welche Kritik hat sie einstecken müssen? Das würde mich interessieren.


Hatte in Musikforen mitbekommen, dass viele sehr unglücklich mit dieser Kritik sind (v.a auch vom sprachlichen Stil) und wenn ich mich recht erinnere, hat sich Olli Schulz auch dazu geäußert.
Zitat:

Und auch das mag ich inhaltlich nicht: Ja, ich finde es gut, wenn deutsche Künstler*innen sich auseinandersetzen. Klar. Aber diese Betroffenheit und diese Gefühlsduselei reichen mir nicht aus. Das ist so Musik die linksmainstreamige Leute (auch da triffts die Spex für mich gut) und so weiter dann hören und sich beim Hören schon superpolitisch fühlen, danach folgt aber oft nichts. Und das reicht heutzutage einfach nicht aus, zumindest mir nicht.


Das mag bei dir ja so sein, weil du schon über den Status und die Erkenntnisse der Band hinaus bist. Vielen anderen geben die Texte vielleicht einen Denkanstoß. Ich hatte auch das Gefühl, dass Kettcar v.a. ein recht junges Publikum ansprechen, so wie du es schon sagst. Da finde ich persönlich es gut, wenn dieses durch solche Texte mal zum Nachdenken angeregt wird. Das Album präsentiert jetzt sicher keine Lösungen, aber wann macht Musik das schon. Kettcar sprechen hier aktuelle Probleme an (über die man durchaus jammern kann) - nicht mehr, nicht weniger. Neben klez.e und in den Interviews Jennifer Rostock fallen mir momentan keine Bands ein, die Reichweite haben und sich überhaupt diesem Thema widmen.
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Daniel W.
Redaktion


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BeitragVerfasst am: Di Nov 14, 2017 11:50 am    Titel: Antworten mit Zitat

JCM hat Folgendes geschrieben:
Daniel W. hat Folgendes geschrieben:


Und auch das mag ich inhaltlich nicht: Ja, ich finde es gut, wenn deutsche Künstler*innen sich auseinandersetzen. Klar. Aber diese Betroffenheit und diese Gefühlsduselei reichen mir nicht aus. Das ist so Musik die linksmainstreamige Leute (auch da triffts die Spex für mich gut) und so weiter dann hören und sich beim Hören schon superpolitisch fühlen, danach folgt aber oft nichts. Und das reicht heutzutage einfach nicht aus, zumindest mir nicht.


Und das ist dann die Schuld der Band, wenn die Hörer hinterher nichts Weiterführendes unternehmen? Da hätte sie am besten doch wieder sinnentleerten Unsinn singen können? Und außerdem dürfen politische Botschaften nicht in Songs mit Strophe-Refrain-Schema und E-Gitarren gepresst werden, denn was Thomas Müller musikalisch nicht überfordern würde, gehört schon zum Establishment?

Sorry, das ist polemisch, aber viel tiefgründiger klingt die Kritik für mich auch nicht. Ich hab aber bei dem ganzen Diskurs wieder das Gefühl, dass viele derjenigen denen für diese Songs schätzen, die sie sowieso mögen, während die Kritik von denjenigen kommt, die ihnen vorher schon wegen Betroffenheitslyrik oder Wiebuschs Stimme oder weswegen auch immer nichts abgewinnen können oder weil sie eben in einem Portfolio an Bands vorkommen, die man um Gottes Willen nicht zu mögen hat, wie das bei der (mir extrem unsympathischen, wird keinen wundern) Spex den Autoren wahrscheinlich vorgelegt wird. Das Gefühl hab ich aber sowieso viel zu oft bei Diskussionen über Musik, dass Aktionen, Haltungen etc immer danach bewertet werden, ob man die Künstler sowieso schon mag. Wenn Tocotronic "Wagenburg" geschrieben und um drei zusammengewürfelte, pseudokluge Metaphern ergänzt hätten, hätten doch schon wieder welche die Einführung eines Friedensmusiknobelpreises gefordert.

Da rechne ich Klaus die differenzierte Bewertung dann doch mal hoch an.


Ich gebe dir recht darin, dass das nicht nur die Schuld der Band ist, dass dann nichts weiter passiert. Allerdings unterstelle ich schon dass dieser Betroffenheitsstyle das nicht unbedingt verhindert, weil aus Betroffenheit nunmal leider oft eher Lähmung als Handlungsstärke wird. Von Establishment etc. hab ich nicht gesprochen, das hast du gemacht, auch nicht, dass politische Musik nicht recht einfache Gitarrenmusik sein darf. Du dichtest mir da mehr rein und vorallem weniger Differenziertheit, als ich letztlich geschrieben hab.
Was du dann über Tocotronic argumentierst ist letztlich auch polemisch und wenig differenziert. Mir ist egal wie ich Kettcar vorher oder nachher fand, das hier find ich einfach scheiße, und warum hab ich auch klar gesagt, und nicht platt dahergeredet. Solche Songs wie Wagenburg schreiben Tocotronic zum Glück nicht (den Vergleich hast du aufgemacht, ich nicht), was politische Haltung etc. angeht, finde ich die um einiges großartiger als Kettcar, weil sie nicht nur reden und sich selbst dafür toll finden (http://www.intro.de/popmusik/kettcar-im-interview ; "Manchmal treff ich es halt einfach"), sondern in diversen Bereichen, etwa Pro Asyl, handeln, ohne darüber zu reden. Und diese pseudoklugen Metaphern, das wird Tocotronic auch eher angedichtet, Dirk von Lowtzow selbst bildet sich da soweit ich das bislang mitbekommen habe nämlich nichts drauf ein, er geht einfach gerne mit Worten um und singt manche Sachen vielleicht auch einfach nur, weil sie schön klingen.

Klaus hat Folgendes geschrieben:
Daniel W. hat Folgendes geschrieben:

Und auch das mag ich inhaltlich nicht: Ja, ich finde es gut, wenn deutsche Künstler*innen sich auseinandersetzen. Klar. Aber diese Betroffenheit und diese Gefühlsduselei reichen mir nicht aus. Das ist so Musik die linksmainstreamige Leute (auch da triffts die Spex für mich gut) und so weiter dann hören und sich beim Hören schon superpolitisch fühlen, danach folgt aber oft nichts. Und das reicht heutzutage einfach nicht aus, zumindest mir nicht.


Das mag bei dir ja so sein, weil du schon über den Status und die Erkenntnisse der Band hinaus bist. Vielen anderen geben die Texte vielleicht einen Denkanstoß. Ich hatte auch das Gefühl, dass Kettcar v.a. ein recht junges Publikum ansprechen, so wie du es schon sagst. Da finde ich persönlich es gut, wenn dieses durch solche Texte mal zum Nachdenken angeregt wird. Das Album präsentiert jetzt sicher keine Lösungen, aber wann macht Musik das schon. Kettcar sprechen hier aktuelle Probleme an (über die man durchaus jammern kann) - nicht mehr, nicht weniger. Neben klez.e und in den Interviews Jennifer Rostock fallen mir momentan keine Bands ein, die Reichweite haben und sich überhaupt diesem Thema widmen.


Das ist auch denke ich so. Da gebe ich dir auch recht, es ist super wenn es Denkanstöße gibt, die nicht nur die üblichen eh schon in linken Kreisen abhängenden Leute erreichen. Das finde ich auch gut. Ich steh nur einfach nur auf so ein Gejammere und ich selbst find es halt einfach scheiße und kann es mir gar nicht anhören. Bei einigen Menschen wird es sicher was anregen, bei vielen hörts aber da auch schon auf dann.
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JCM
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BeitragVerfasst am: Mi Nov 15, 2017 6:53 am    Titel: Antworten mit Zitat

Daniel W. hat Folgendes geschrieben:
JCM hat Folgendes geschrieben:
Daniel W. hat Folgendes geschrieben:


Und auch das mag ich inhaltlich nicht: Ja, ich finde es gut, wenn deutsche Künstler*innen sich auseinandersetzen. Klar. Aber diese Betroffenheit und diese Gefühlsduselei reichen mir nicht aus. Das ist so Musik die linksmainstreamige Leute (auch da triffts die Spex für mich gut) und so weiter dann hören und sich beim Hören schon superpolitisch fühlen, danach folgt aber oft nichts. Und das reicht heutzutage einfach nicht aus, zumindest mir nicht.


Und das ist dann die Schuld der Band, wenn die Hörer hinterher nichts Weiterführendes unternehmen? Da hätte sie am besten doch wieder sinnentleerten Unsinn singen können? Und außerdem dürfen politische Botschaften nicht in Songs mit Strophe-Refrain-Schema und E-Gitarren gepresst werden, denn was Thomas Müller musikalisch nicht überfordern würde, gehört schon zum Establishment?

Sorry, das ist polemisch, aber viel tiefgründiger klingt die Kritik für mich auch nicht. Ich hab aber bei dem ganzen Diskurs wieder das Gefühl, dass viele derjenigen denen für diese Songs schätzen, die sie sowieso mögen, während die Kritik von denjenigen kommt, die ihnen vorher schon wegen Betroffenheitslyrik oder Wiebuschs Stimme oder weswegen auch immer nichts abgewinnen können oder weil sie eben in einem Portfolio an Bands vorkommen, die man um Gottes Willen nicht zu mögen hat, wie das bei der (mir extrem unsympathischen, wird keinen wundern) Spex den Autoren wahrscheinlich vorgelegt wird. Das Gefühl hab ich aber sowieso viel zu oft bei Diskussionen über Musik, dass Aktionen, Haltungen etc immer danach bewertet werden, ob man die Künstler sowieso schon mag. Wenn Tocotronic "Wagenburg" geschrieben und um drei zusammengewürfelte, pseudokluge Metaphern ergänzt hätten, hätten doch schon wieder welche die Einführung eines Friedensmusiknobelpreises gefordert.

Da rechne ich Klaus die differenzierte Bewertung dann doch mal hoch an.


Ich gebe dir recht darin, dass das nicht nur die Schuld der Band ist, dass dann nichts weiter passiert. Allerdings unterstelle ich schon dass dieser Betroffenheitsstyle das nicht unbedingt verhindert, weil aus Betroffenheit nunmal leider oft eher Lähmung als Handlungsstärke wird. Von Establishment etc. hab ich nicht gesprochen, das hast du gemacht, auch nicht, dass politische Musik nicht recht einfache Gitarrenmusik sein darf. Du dichtest mir da mehr rein und vorallem weniger Differenziertheit, als ich letztlich geschrieben hab.


Nein, ich gehe ja nicht auf deine eigenen Aussagen ein, sondern die der Spex, und wenn die ganz explizit so abwertende Formulierungen wie "nationalelfskompatibel" und "verwässern" oder auch "angestrengt dreitagebärtig" nutzen und auch später immer wieder auf die Verbindung von Inhalt und Musik eingehen, scheinen die ja ziemlich sicher eine Grenze zwischen bestimmten Musikstilen und ernstzunehmenden Inhalten zu ziehen. Dich hab ich nicht und würde ich auch nicht des Mangels an Differenziertheit anklagen, weder zu diesem Thema noch sonst wie, aber die Spex will hier für mich vorrangig in einem ekelhaft besserwisserischen Tonfall eine wohlmeinende Stimme mit Einfluss in den Bevölkerungsschichten, zu diesem Thema erreicht werden müssen, mundtot machen, weil ihr deren Klang nicht gefällt, und das kann ich nicht haben. Mal ganz davon abgesehen, dass Gedankengänge wie "Wohlfeiles Singen im Chor der über die „besorgten Bürger“ besorgten Dachspatzen gibt sich hier als nonkonformistisches Selberdenken aus." der Band zum einen auch wieder mehr Selbstherrlichkeit vorwerfen als m.E. angebracht ist und der Autor mit dieser Argumentationsweise auch Anti-Nazi-Demos als problematische Lemming-Ansammlung abtun könnte.
Die Einschränkungen hinsichtlich lähmender Wirkung von "Befindlichkeitsmusik" kann ich nachvollziehen, sehe ich auf dem Album aber eigentlich auch wirklich höchstens in den wenigen gleichen Stellen, die immer wieder genannt werden und an anderen hören ich da auch deutlich mehr Feuer. Aber auch hier möchte ich vermuten, dass die Wirkung auf dich eben auch zum Teil daher kommt, dass du Kettcar eben zuvor schon in einer für dich negativen Ecke verortet hast. Dass ich das anders sehe, weil ich Kettcar eben mag, ist genauso klar...

[quote="Daniel W."][quote="JCM"]
Daniel W. hat Folgendes geschrieben:


Was du dann über Tocotronic argumentierst ist letztlich auch polemisch und wenig differenziert. Mir ist egal wie ich Kettcar vorher oder nachher fand, das hier find ich einfach scheiße, und warum hab ich auch klar gesagt, und nicht platt dahergeredet. Solche Songs wie Wagenburg schreiben Tocotronic zum Glück nicht (den Vergleich hast du aufgemacht, ich nicht), was politische Haltung etc. angeht, finde ich die um einiges großartiger als Kettcar, weil sie nicht nur reden und sich selbst dafür toll finden (http://www.intro.de/popmusik/kettcar-im-interview ; "Manchmal treff ich es halt einfach"), sondern in diversen Bereichen, etwa Pro Asyl, handeln, ohne darüber zu reden. Und diese pseudoklugen Metaphern, das wird Tocotronic auch eher angedichtet, Dirk von Lowtzow selbst bildet sich da soweit ich das bislang mitbekommen habe nämlich nichts drauf ein, er geht einfach gerne mit Worten um und singt manche Sachen vielleicht auch einfach nur, weil sie schön klingen.


...und auch hier wieder genauso mein Argument: Die eigene Meinung zur Band beeinflusst das eigene Verständnis von deren Aussagen eben viel mehr als die Aussagen selbst. Context beats content. Da wundert mich gar nicht, dass ich bei Tocotronic polemisch werde, die hab ich eben nur als ein Beispiel für deutschsprachige Bands genommen, die hier im Allgemeinen deutlich besser wegkommen als Kettcar, ohne nun zu wissen oder abstreiten zu wollen, wie die sich politisch engagieren (Da hätte ich stattdessen auch Die Heiterkeit oder wen auch immer nehmen können). Tocotronic aber waren mein Beispiel, weil ich sie Ewigkeiten furchtbar finde, obwohl ich es mit jedem Album und jedem Festivalauftritt neu mit ihnen probiere, aber passen aktuell ganz gut, weil zB deren neue "Hey Du"-Single von Haltung und Aussage her auf jeden Fall zu begrüßen ist, aber durch den gesamten gesanglichen Habitus von Dirk L wieder komplett überheblich und arrogant auf mich wirkt, so dass ich mich mehr an einzelnen Formulierungen wie "du mit deinem Kleinstadtgeist" (paraphrasiert) aufhänge und (mit einem zwinkernden Auge) zu Lisa sag, dass Tocotronic mir nun schon die sexuelle Toleranz kaputt gemacht haben. Meine eher abneigende Haltung zu der "Spiel mit Sprache"-Art zu dichten und Vergleiche zu ziehen, fällt da natürlich auch mit rein. Aber der Lowtzow könnte wahrscheinlich auch Lieder über betrunkene Stadionbesuche schreiben und die würden für mich immer noch nach Tweedjacket-Flicken und Weinprobe klingen, während Marcus Wiebusch wahrscheinlich das aktuelle Pendant zur Weizsäcker-Rede halten könnte und das für so manche immer noch befindlichkeitsfixiertes Larifari wäre. Diese Voreingenommenheit, die mich genauso betrifft, war ja nur das, was ich nochmal kritisieren wollte und alles, wo ich auch in diesem Beitrag polemisch klinge, ist (hoffentlich) vorrangig dann auch wieder dieser geschuldet.
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