Rezension

Tricky

Mixed Race


Highlights: Murder Weapon // UK Jamaican
Genre: TripHop
Sounds Like: Massive Attack // The XX // Amanda Blank // Gnarls Barkley

VÖ: 24.09.2010

Zwei Jahre ist es nun schon wieder her, dass Tricky mit „Knowle West Boy” ein Album veröffentlichte. Nun, ohne große Vorankündigung und fast unbemerkt, erscheint „Mixed Race“. Wieder einmal sind zahlreiche Gastsänger an Bord, einen großen Teil der Gesangsparts überlässt er der Sängerin Franky Riley, die ihn auch auf Touren begleitet. Man könnte auch sagen: Es fällt gar nicht so einfach, Tricky auf seinem Album zu hören. „Mixed Race“ soll für gelebte Toleranz zwischen Menschen und Kulturen stehen, musikalisch erkennt man dies vor allem an einem wilden Mix aus Musikstilen.

Nimmt man nur einmal „Every Day“, den smoothen Opener, der das Klischee vom verkifften Tricky nur zu bedienen scheint. Passend dazu gibt es ein Mundharmonikasolo. Völlig entgegengesetzt „UK Jamaican“, das stellenweise an Amanda Blanks schnellen Elektro-HipHop erinnert. „Ghetto Stars“ hingegen zitiert den Hip Hop Anfang der Neunziger mit dunklen Keyboardsounds.

Ein wenig ärgerlich ist es, dass die Stücke alle sehr schnell voranziehen, kaum eines erreicht die Drei-Minuten-Marke. Einiges wirkt vorschnell abgehackt oder läuft zu schnell dem Ende entgegen, wie zum Beispiel „Time To Dance“, das übrigens genauso wie „Really Real“ auch als The-XX-B-Seite durchgehen könnte. Das wahnsinnige „Murder Weapon“ hat wohl das größte Hitpotential. Dem Ohrwurm liegt als Basis eine recht bekannte Filmmelodie zugrunde. Was Text oder das Boxvideo mit der propagierten Toleranz zu tun haben, erschließt sich nicht unbedingt auf den ersten Blick. Auch nicht auf den zweiten. Einen kompletten Bruch stellt „Hakim“ dar, hier zelebriert Tricky samt Gastsänger lupenreinen, arabisch klingenden Pop. Dicke Beats hingegen trägt „Bristol to London“, das fast schon an Prodigy erinnert.

„Mixed Race“ einzuordnen, fällt schwer. So gemischt die Songs, so unterschiedlich ist teilweise die Qualität – und mangels rotem Faden ist es nicht mehr als eine Ansammlung einzelner kurzer Stücke, bei denen ein Wechsel den nächsten jagt. An vielen Momenten wünscht man sich, dass genau diese Idee, die dort jetzt angefangen hat, weitergespielt wird, dass der Spannungsbogen weitergetragen wird. Statt dessen: Cut. Neuanfang. Zwei Minuten später die gleiche Situation. Schade eigentlich, denn „Mixed Race“ hat ziemlich viel Potential, verschießt aber einen Großteil davon ins Leere.

Klaus Porst

Finden


Bye-Bye



Am 5. Januar 2021 haben wir éclat eingestellt. Mehr Infos hierzu gibt es auf unserer Startseite!